Finanzwesen und Banken

Worin unterscheiden sich die verschiedenen Kreditinstitute?


Die Mehrzahl der österreichischen Finanzinstitute bietet eine breite Leistungspalette an; manche sind aber auch auf bestimmte Bereiche oder Kundengruppen spezialisiert. Je nach Art ihrer Tätigkeit lassen sich Banken daher in zwei Kategorien unterteilen:

 

Universalbanken

betreiben alle gängigen Bankgeschäfte. Sie führen Konten, vergeben Kredite, wickeln Börsegeschäfte ab, helfen bei der Vermögensveranlagung usw. In Österreich zählt dazu die Mehrzahl der großen Institute wie UniCredit Bank Austria, Erste Group Bank oder BAWAG/P.S.K., aber auch die Raiffeisenbanken, Sparkassen,Volks- sowie die Landes-Hypothekenbanken.

 

Spezialbanken

betreiben nur bestimmte Bankgeschäfte, auf die sie sich spezialisiert haben. Dazu zählen etwa

  • Bausparkassen – zur Finanzierung von Wohnraumschaffung

  • Kapitalanlagegesellschaften (KAG) – zur Verwaltung von Investmentfonds

  • Kreditkartengesellschaften – zur Ausgabe und Verwaltung von Zahlungsmitteln wie Kreditkarten

  • die Oesterreichische Kontrollbank – zur Finanzierung und Haftungsübernahme von Exportgeschäften

Welche Art von Bank ist dieOesterreichische Nationalbank (OeNB)?

Die OeNB steht als Zentralbank an der Spitze der heimischen Banken. Sie achtet nicht nur auf die Umsetzung der im Rahmen des Eurosystems festgelegten Geldpolitik, sondern übernimmt auch die Versorgung der österreichischen Banken mit Geld. Die Kreditinstitute decken bei der Nationalbank ihren Bargeldbedarf und können sich bei der OeNB auch Geld in Form von Krediten ausborgen.

 

Banken werden in Österreich außerdem nach ihrer Rechtsform und nach ihrer sektoralen Zugehörigkeit unterschieden:

 

Einstufiger Sektor

Darunter fallen: 

  • Aktienbanken – ihr Haupttätigkeitsbereich liegt vor allem in der Finanzierung großer Industrievorhaben und Exportgeschäfte der österreichischen Wirtschaft;

  • Hypothekenbanken – sie gewähren vorrangig Hypothekar- sowie Kommunaldarlehen und geben Pfand- und Kommunalbriefe aus;

  • Bausparkassen – sie widmen sich hauptsächlich der Vergabe von Darlehen für den Erwerb von Baugrundstücken und Eigentumswohnungen sowie der Errichtung von Wohnhäusern;

  • Sonderbanken – sie dürfen keine Spareinlagen entgegennehmen und sind auf bestimmte Bereiche spezialisiert, wie etwa die Finanzierung von Exportgeschäften (Oesterreichische Kontrollbank), die Verwaltung von Investmentfonds (Kapitalanlagegesellschaften), die Ausgabe von Kreditkarten (Kreditkartengesellschaften), die Gewährung von mittel- oder langfristigen Investitionskrediten oder die Mitarbeitervorsorge;

  • § 9 BWG-Zweigstellen – das sind die in Österreich im Rahmen der Niederlassungsfreiheit über Zweigstellen tätigen Kreditinstitute aus anderen EU-Mitgliedsländern.


Grafik Bankensekt

 

Mehrstufiger Sektor

Darunter fallen Kreditinstitute mit einem zwei- oder dreistufigen Aufbau – an der Spitze steht das Zentralinstitut, das für die angeschlossenen Institute Koordinierungs- und Ausgleichsfunktionen wahrnimmt. Dazu zählen: 

  • Sparkassen mit dem Spitzeninstitut Erste Group Bank AG – sie sind zweistufig aufgebaut

  • Volksbanken – ebenfalls zweistufig aufgebaut – mit dem Spitzeninstitut Österreichische Volksbanken AG

  • Raiffeisenbanken mit dreistufigem Aufbau: Die Geldmittel fließen von den Raiffeisenbanken zu den Raiffeisenlandesbanken und von dort zum Spitzeninstitut Raiffeisen Zentralbank Österreich AG

Wie funktioniert die Geldschöpfung?

Im Gegensatz zum Bargeld handelt es sich beim Buch- oder Giralgeld um unbare Zahlungsmittel, die von den Banken im Rahmen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs selbst geschöpft werden, indem sie die ihnen zufließenden Einlagen zur Kreditgewährung verwenden. Dem Kreditnehmer wird der kreditierte Betrag auf einem Girokonto gutgeschrieben; dadurch wird er zu Buchgeld und zur Ausgangsbasis für weitere Kredite.

Das Ausmaß dieser „Buchgeldschöpfung“ der Kreditinstitute ist jedoch begrenzt; es hängt vor allem von den Zahlungsgewohnheiten ab. Je mehr Bargeld im Zahlungsverkehr bevorzugt wird, umso geringer sind die Möglichkeiten der Kreditinstitute, Giralgeld zu schöpfen. Darüber hinaus sind sie – zur Sicherung ihrer Zahlungsfähigkeit und auch aus währungspolitischen Gründen – verpflichtet, einen Teil der bei ihnen gehaltenen Einlagen als Guthaben bei der Zentralbank zu halten (Mindestreserve).

 

„Kreditinstitute unterscheiden sich nach ihrer Rechtsform, der Art der Tätigkeit (Universal- oder Spezialbank) und nach ihrer sektoralen Zugehörigkeit (ein- oder mehrstufiger Sektor). Die OeNB steht als Bank der Banken an der Spitze des Kreditwesens.“