Die Künstler der Zwischenkriegszeit
Mit dem Ende des 1. Weltkrieges waren Österreich nicht nur große Teile seines Staatsgebietes, sondern auch seine politische und kulturell führende Stellung verloren gegangen. Die neuen Zentren waren Berlin, Paris und Weimar. Die internationalen Stilrichtungen wie der Expressionismus, der Kubismus, die Neue Sachlichkeit, der Futurismus fanden in Österreich ihren Niederschlag in einer zumeist abgewandelten, abgeschwächten Form. Dabei blieb die Malerei fast ausschließlich gegenständlich, die abstrakte Malerei war kaum von Bedeutung. Die Jahre vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden dann von den Kunstvorstellungen der Nazis bestimmt. Diese politisch und künstlerisch nicht unproblematische Epoche der Zwischenkriegszeit hat dennoch viele bedeutende Talente im Bereich der Malerei hervorgebracht.
In der Sammlung der OeNB sind alle wichtigen Tendenzen der österreichischen Malerei der Zwischenkriegszeit vertreten. Die bedeutendste neue Kunstströmung der Zeit ist der malerische Expressionismus, der sich durch eine expressive Pinselführung, einen oft pastosen Farbauftrag und eine von den realen Dingen losgelöste, abstrahierte, zum Teil intensive Farbgebung auszeichnet. Hauptvertreter des malerischen Expressionismus sind Oskar Kokoschka, der wohl international bekannteste österreichische Maler dieser Zeit, Anton Kolig, Anton Faistauer und Robin Christian Andersen. 1911 haben Kokoschka, Kolig, Schiele, Faistauer und Andersen gemeinsam im Hagenbund ausgestellt. Auch Koligs Schüler aus dem Nötscher Kreis, Anton Mahringer und Gerhart Frankl, sind in der Sammlung zu finden.
Ursprünglich aus der expressionistischen Wiener Schule kommt Max Oppenheimer, dessen zentrales Bildthema die Darstellung der Musik ist. Wie Kokoschka verlässt er Österreich früh und emigriert 1939 nach New York. Auch der Wiener Josef Floch, dessen Schlüsselwerk, das Interieurbild "Black Screen", sich in der OeNB befindet und der Grazer Wilhelm Thöny haben wie viele andere Künstler dieser Zeit vorwiegend im Ausland gelebt und gearbeitet und sind vor Ausbruch des Krieges in die Vereinigten Staaten emigriert.
Ein anderer wichtiger Kunststil der Zwischenkriegszeit ist die Neue Sachlichkeit. Die Bilder zeichnen sich durch eine distanzierte, sachliche Darstellung der Dinge aus. Bei der Wahl der Motive und bei der Maltechnik orientieren sich viele Künstler an den Tafelbildern der Alten Meister im Kunsthistorischen Museum. Die OeNB hat mehrere typische Werke von Greta Freist, Victor Planckh, Herbert Reyl-Hanisch, Franz Sedlacek und Rudolf Wacker, Vertretern der Neuen Sachlichkeit in Österreich, erworben.
Erika Giovanna Klien ist dem Wiener Kinetismus, einer kurzen aber wichtigen Bewegung im Wien der 20er Jahre, zuzurechnen. Es handelt sich dabei um eine abstrakt-kubistische Malerei, die sich mit dem Thema Bewegung des Menschen, aber auch der Pflanzen und Tierwelt beschäftigt. Die Auseinandersetzung mit kubistischen Einflüssen lassen auch die Werke von Albert Paris Gütersloh, Alfred Wickenburg und Robert Kloss erkennen. Allerdings bleibt ihre Malerei bei einer dekorativ-kubistischen Gestaltung der Bildfläche gegenständlich. Gütersloh war Professor und Rektor der Wiener Akademie der bildenden Künste und hat wie Herbert Boeckl, Josef Dobrowsky und Fritz Wotruba, viele bedeutende Künstler der Zeit nach 1945 ausgebildet.
Die Tiroler Malerei der Zwischenkriegszeit ist unter anderem durch zwei Hauptwerke, das "Mittagessen" und "Die Quelle", von Albin Egger-Lienz und fünf Genre- und Landschaftsbilder von Alfons Walde vertreten, wobei Egger-Lienz zum Monumentalen, Mystischen tendiert und Walde eher zur romantischen Darstellung der Tiroler Alpen und des modernen Wintersports.
Schließlich sind noch die stimmungsvollen Landschafts- und Genrebilder von Carl Moll, Ferdinand Brunner und Oskar Laske, die malerisch-expressiven Arbeiten des Wiener Landschafts- und Genremalers Ernst Huber, die Gemälde der auch für ihre Tierdarstellungen bekannten Wiener Maler Carl Fahringer, Ludwig Heinrich Jungnickel und Franz von Zülow sowie zahlreiche andere Werke starker Künstlerpersönlichkeiten aus allen Bundesländern Österreichs in der Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank vertreten. (BNO)
Autoren der Textbeiträge und Biographien: Roman Hirschmann (RH), Gabriela Koschatzky-Elias (GKE), Brigitte Neider-Olufs (BNO) und Elisabeth Olivares Díaz (EOD)