Der Ursprung des Geldes


Markt

Über Herkunft und Entstehung des Geldes gibt es ebenso viele spekulative Erklärungen wie wissenschaftlich fundierte Theorien. Die gängigste sieht den Ursprung des Geldes im Warenhandel. Neben anderen vertrat Carl Menger (1909) die These, dass Geld aus der Logik des Marktes entstanden sei. Um trotz des ungleichen Werts der Waren und der zeitlichen Differenz zwischen Angebot und Bedarf das Gewünschte zu erhalten, seien jene Waren als Zwischengut akzeptiert worden, die besonders begehrt waren und sich wegen ihrer Beständigkeit, ihrer Transportfähigkeit und ihrer Teilbarkeit als Tauschmedium eigneten. Die Vorteile dieser Form des Tausches über den „Umweg“ Geld regten zur Nachahmung an, sodass das Schema der Bewertung und Berechnung schließlich durch Gewohnheit auf jede alltägliche wirtschaftliche Transaktion angewendet wurde. Erst dadurch konnte sich ein Denken in ökonomischen Kategorien herausbilden. 



Religion, Staat

Vom „heiligen Geld“ sprach Bernhard Laum (1924). Er geht von einem religiösen, kultischen Entstehungszusammenhang aus. Geld verdanke seine Existenz nicht dem Markt, sondern symbolischen Handlungen wie Opfergaben an die Götter, Zahlungen an Priester, Begleichung von Strafen bei Verletzungs- und Todesfällen. Jenes Gut, das den symbolischen Wert des Opfers und der Buße am besten zum Ausdruck brachte, beispielsweise das Rind im archaischen Griechenland, habe als sakrales Zahlungsmittel funktioniert und sei schließlich auch als Wertmaßstab im Tauschverkehr eingesetzt worden. Gegen eine auf die Logik des Marktes fixierte Sichtweise argumentierte auch Georg Friedrich Knapp (1906), indem er Geld als ein „Geschöpf des Rechts“ bezeichnete. 



Kultur

Andere Theorien analysieren Geld als ein System von Symbolen, das den Tausch unabhängig macht von der Zeit, der Person und der besonderen Situation. Mit diesen Ansätzen lassen sich auch Vorformen von Geld in archaischen Gesellschaften erklären und Kategorisierungen vermeiden, die zwischen Gesellschaften unterscheiden, die Geld verwenden und solchen die es nicht kennen. 



Definition von Maynard Keynes

Nach John Maynard Keynes kann man „von einem Gegenstand behaupten, dass er zumindest einige der besonderen Eigenschaften des Geldes besitzt, wenn er 1. regelmäßig benützt wird, um bestimmte vereinbarte Werte wie religiöse Abgaben, Strafgebühren oder Prämien zu benennen, oder 2. wenn er als Ausdruck verwendet wird, mit welchem Darlehen oder Verträge formuliert werden, oder 3. wenn er als die Benennung, mit welcher Preise ausgedrückt werden, eingesetzt wird, oder 4. wenn er als geläufiges Tauschmittel benützt wird.“

(The Origins of Money, zitiert nach: Wolfgang Pircher, Sozialmaschine Geld, 115)