Neuzeit

Das Zeitalter des Talers


Reichsmünzordnungen

Maximilian I., Münzstätte Hall

Kaiser Maximilian I. zu Besuch in der Münzstätte Hall, „Weißkunig“, um 1517,
Holzschnitt von Hans von Burghmair d. Ä. (ÖNB) 

Münzordnung 1560

Münzordnung 1560 für die österreichischen Erblande (nach der dritten Reichsmünzordnung von 1559) (Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett) 

Maximilian I., der 1493 die habsburgischen Länder unter sich vereinigte, bemühte sich im Rahmen der Neuordnung der Verwaltung auch um eine Vereinheitlichung des Münzwesens. Die 1510 für die österreichischen Länder erlassene Münzordnung wurde 1511 in nahezu identischer Ausführung für Tirol verfügt. Damit war die formale Basis für eine gemeinsame österreichische Währung gelegt. Rückschläge brachten die immer wieder stockende Versorgung mit Edelmetall und die Rivalitäten zwischen dem vom Kaiser bestellten Münzmeister und den Hausgenossen. Letztere hatten während des Interregnums nach dem Tod des Kaisers eine eigene Münzprägung aufgenommen. Diese wurde jedoch 1522, unter Ferdinand I., für gesetzwidrig erklärt und endete mit der Auflösung der Institution der Hausgenossen.

 

Ferdinand I., der 1522 die Herrschaft über die österreichischen Länder übernommen hatte, setzte das Reformwerk Maximilians fort und erließ im Februar 1524 eine weitere Münzordnung. Sie orientierte sich am Tiroler Geldsystem und legte Guldiner, Halbguldiner, Pfundner, Sechser und Kreuzer als Nominale in den österreichischen Erbländern fest.

 

Die Währungsvereinheitlichung auf Reichsebene – im November 1524 mit einer ersten Reichsmünzordnung eingeleitet – scheiterte. Man konnte sich nicht auf eine Angleichung des Münzfußes der verschiedenen Taler- und Guldinerprägungen und eine einheitliche Wertrelation zum Gulden einigen. Erst mit den Reichsmünzordnungen 1551 und 1559 wurden allgemein gültige Richtlinien für die Prägung von Großsilbermünzen festgelegt und die Bindung des Silbergeldes an das Gold aufgehoben. Damit konnte sich der Taler zur allgemein anerkannten Währungsmünze entwickeln.



Preisrevolution

Der Anstieg der europäischen Silberproduktion, der Zustrom von Edelmetallen aus Amerika und die Ausweitung des Kreditverkehrs lösten, neben anderen Faktoren wie Bevölkerungswachstum und Konjunkturaufschwung, im 16. Jahrhundert eine säkulare Inflation aus. Im Donauraum stiegen die Getreidepreise während des 16. Jahrhunderts um 170 Prozent, die Preise für Rindfleisch um 110 Prozent; eine ähnliche Entwicklung nahmen die Preise in Tirol, wo das Preisniveau aber schon zu Beginn des Jahrhunderts außerordentlich hoch gewesen war. Der Teuerung bei landwirtschaftlichen Produkten stand ein relatives Sinken der Preise für Industriegüter und Löhne gegenüber. Ein Wiener Maurergeselle, der um 1500 einen Taglohn im Gegenwert von etwa 8 Pfund Rindfleisch erhielt, mußte sich um 1600 mit 5 Pfund begnügen.

 

Die Nachfrage nach Geld wurde auch durch den wachsenden Bedarf der entstehenden Territorialstaaten für Repräsentation, Verwaltung, Kriegsführung und die Haltung von Söldnerheeren erhöht. Die herkömmlichen staatlichen Einnahmequellen reichten dafür nicht mehr aus, dementsprechend stieg die öffentliche Verschuldung.

 

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts beschleunigte sich die Geldentwertung, um schließlich 1621/1622 in die Hyperinflation, der „Kipper- und Wipperzeit“ überzugehen.


  • Schwazer Bergbuch, 1556

    Vorrichtung zur Entwässerung der Stollen im Schwazer Bergbau, Schwazer Bergbuch, 1556, Wiener Ausgabe (ÖNB) 

  • Schwazer Bergbuch, 1556

    Detail – Vorrichtung zur Entwässerung der Stollen im Schwazer Bergbau, Schwazer Bergbuch, 1556, Wiener Ausgabe (ÖNB) 

  • Schwazer Bergbuch, 1556

    Detail – Vorrichtung zur Entwässerung der Stollen im Schwazer Bergbau, Schwazer Bergbuch, 1556, Wiener Ausgabe (ÖNB) 


  • Kriegskasse, Süddeutschland

    Kriegskasse, Süddeutschland, um 1630 (OeNB) 

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„Kipper- und Wipperzeit“

½ Kippertaler, 1621, Ferdinand II.

½ Kippertaler zu 60 Kreuzern, 1621, Joachimstal, Ferdinand II. 

Kippertaler, 1622, Ferdinand II.

Kippertaler zu 150 Kreuzern 1622, Kuttenberg, Ferdinand II. (1619 bis 1637) 

Münzstempel, 24 Kreuzer, 1623

Münzstempel für die Rückseite des 24 Kreuzerstückes von 1623 (OeNB) 

Flugschrift, 1622

Flugschrift aus der Kipper- und Wipperzeit gegen die Geldverschlechterung durch die Prägung minderwertiger Münzen: An die Gotts- und Gwissenlose Geltwucherer, 1622, Holzschnitt (ÖNB) 

Der Ausdruck „Kipper- und Wipperzeit“ ist von der Verwendung illegaler Schnellwaagen zum Auswiegen übergewichtiger Exemplare einer Geldsorte abgeleitet. Er steht für eine Geldkrise, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts die österreichischen Erbländer und weite Gebiete des Deutschen Reichs erfasste. Die tiefere Ursache der rasanten Geldentwertung der „Kipper- und Wipperzeit“ lag in den Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhunderts. Diese schrieben einen hohen Münzfuß für kleine Nominale vor, der nur unter Verlust einzuhalten war. Viele Münzstätten nahmen daher eine Verminderungen von Schrot (Rauh- und Gesamtgewicht einer Münze) und Korn (Gewicht des in der Münze enthaltenen Edelmetalls) vor, hochwertiges Geld wurde in geringwertiges umgeprägt. Man transportierte das schlechte Geld in andere Regionen, ließ es dort gegen besseres „aufwechseln“, brachte dieses in die heimischen Münzstätten zurück und prägte es in geringwertige Münzen um.

 

Angeheizt wurde dieser inflationäre Kreislauf durch eine allgemeine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage infolge der Türkengefahr zu Beginn des 17. Jahrhunderts, den Rückgang der Silberproduktion und den erhöhten Geldbedarf beim Ausbruch des 30-jährigen Krieges (1618 bis 1648). Böhmen und Mähren begannen 1619 mit der Prägung von Kipper- und Wippermünzen. Um Krieg und Aufrüstung zu finanzieren, gingen 1621 auch die Münzstätten in den österreichischen Erbländern zur Ausprägung unterwertiger Münzen über. Den Höhepunkt erreichte die Krise 1622. Als Kaiser Ferdinand II. (1619 bis 1637) zu Beginn des Jahres alle böhmischen, mährischen und niederösterreichischen Münzstätten an ein Konsortium verpachtete und dafür einen Jahresbetrag von sechs Millionen Gulden – das Sechsfache dessen, was die böhmischen Münzen jährlich einbrachten – forderte, setzte eine dramatische Münzverschlechterung ein. Der Wert des Talers stieg Ende des Jahres von ursprünglich 1 Gulden 8 Kreuzer auf 11 Gulden 15 Kreuzer. Ein Jahr später, im Dezember 1623, entschloss sich Ferdinand II. zur Einziehung und Umwechslung der Kippermünzen. Für 100 Taler Kippermünze wurden nur 13,3 Taler Reichsmünze gezahlt, was einem Verlust von 87 Prozent und einem Staatsbankrott gleichkam.



„Zweite Kipperzeit“

Die Folgen der „Kipper- und Wipperzeit“ und des 30-jährigen Krieges waren im Geldwesen der österreichischen Erbländer bis über die Mitte des Jahrhunderts hinaus zu spüren. 1659 versuchte Leopold I. (1658 bis 1705) mit dem so genannten „Münzeinrichtungswerk“ das Münzwesen für die Stabilisierung der staatlichen Finanzen heranzuziehen. Neue Münzsorten, ein 15- und ein 6-Kreuzer-Stück, die geringe Kosten verursachten und hohe Gewinne versprachen, waren neben dem Taler als Landeswährung vorgesehen. Gleichzeitig sollte der Taler in allen habsburgischen Ländern dem etwas geringerwertigen Tiroler Taler angeglichen und sein Kurs stabil gehalten werden.

 

Der erhöhte Geldbedarf infolge des Türkeneinfalls 1663 machte diesen Plan jedoch zunichte. Österreich wurde neuerlich von schlechtem Geld überschwemmt, es folgte eine zweite, „kleine Kipperzeit“. Die Einziehung der Münzen finanzierte man 1695 mit der Ausgabe des so genannten Landkreuzers, einer Münze mit sehr geringem Silbergehalt.


  • 15 Kreuzer, 1697, Leopold I.

    15 Kreuzer, 1697, St. Veit, Leopold I. (1658 bis 1705) 

  • 6 Kreuzer, 1687, Leopold I.

    6 Kreuzer, 1687, Wien, Leopold I. (1658 bis 1705) 

  • Kreuzer, 1695, Leopold I.

    Kreuzer – „Landkreuzer“, 1695, Wien, Leopold I. (1658 bis 1705) 


  • Heckenmüntz, 1680

    „Heckenmüntz“, Darstellung der Kipper und Wipper, Kupferstich um 1680 (ÖNB) 

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