Tetradrachme – „Frontalgesichtstyp“, Noriker,
Fürst Svicca, um 100 v. Chr.
Goldstater – „Regenbogenschüsselchen“,
Boier, Fürst Biatec,
um 100 v. Chr.
„Gefütterte“ Goldmünze – zeitgenössische Fälschung, Fundstätte Roseldorf
Die ersten Münzen traten auf dem Gebiet Österreichs Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts auf. Es handelte sich um Prägungen mittelkeltischer Stämme (Vindeliker, Boier, Noriker), die nach griechisch-makedonischen Vorbildern gestaltet waren.
Zentrum des Regnum Noricum (113 bis 15 v. Chr.), zu dem große Teile des heutigen Österreich zählten, war vermutlich der Kärntner Magdalensberg. Dort dürfte sich auch die Münzstätte des westnorischen Königsbundes befunden haben, wo um 70 vor Christus mit der Prägung eigener Tetradrachmen begonnen wurde. Ähnlich wie die großen Silbermünzen der Ostnoriker im Gebiet des heutigen Slowenien zeigten diese Münzen auf der Vorderseite einen Apollokopf, auf der Rückseite einen Reiter, dem der Name des Stammesfürsten zugeordnet war. Im Raum Wien dominierten zu dieser Zeit Silbermünzen der Boier, die um 60 v. Chr. in der Gegend von Bratislava (Pressburg) eine eigene Münzprägung eingerichtet hatten.
Ein wichtiger Handelsplatz befand sich vermutlich im Gebiet des westlichen Weinviertels. Münzfunde brachten hier neben Prägungen aus verschiedenen Gebieten des Keltenreichs Goldmünzen in prägefrischer Qualität und eine große Anzahl von „gefütterten“ Goldmünzen zu Tage, zeitgenössische Fälschungen, bei denen sich unter einer dünnen Goldhaut ein Kupferkern verbirgt.
Die großen Silbermünzen verschwanden bereits vor der römischen Okkupation (15 v. Chr.) aus dem Verkehr. Norische Kleinsilbermünzen blieben hingegen noch bis zur Mitte des ersten nachchristlichen Jahrhunderts neben den römischen Münzen im Umlauf.
Unter Kaiser Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) dehnte Rom seinen Einfluss auf fast das gesamte Gebiet des heutigen Österreich aus. Mit den römischen Truppen, dem Aufblühen des Handels, der Errichtung von Straßen und dem Ausbau städtischer Siedlungen strömte römisches Münzgeld in die Gebiete entlang des Donaulimes ein.
Doch wurden, vermutlich aus Sicherheitsgründen, in den Provinzen Pannonien, Noricum und Raetien keine eigenen Münzstätten betrieben. Selbst als Thronstreitigkeiten Ende des 2. Jahrhunderts und die krisenhafte Entwicklung im 3. Jahrhundert (Einfälle von germanischen Stämmen, Pestepidemie und Silbermangel) eine inflationäre Entwicklung auslösten und zusätzliche Reichsmünzämter eingerichtet werden mussten, erfolgte die Versorgung der österreichischen Gebiete in erster Linie durch die Münzstätten Aquileia und Siscia (Sisak an der Save).
Auffallend bei den Münzfunden aus der römischen Zeit sind die zahlreichen Fälschungen. Eine davon, die so genannte „Limes-Falsa“, scheint im lokalen Geldverkehr eine bedeutende Rolle gespielt zu haben und dürfte Anfang des dritten Jahrhunderts mit behördlicher Duldung zur Abhilfe der drückenden Kleingeldnot ausgeprägt worden sein. Darüber hinaus zirkulierten im Limesgebiet auch „gefütterte“ Denare, die einen Kupferkern hatten und mit einer Silberschicht überzogen waren.
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Denar, Augustus
(31 v. Chr. bis 14 n. Chr.)
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Doppeldenar = Antoninian,
Caracalla (211 bis 217)
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Sesterz, Traianus (98 bis 117), mit Donaubrücke am Eisernen Tor
Solidus – byzantinische Goldmünze,
Mauricius (582 bis 602),
aus dem Münzschatzfund von Aldrans, Tirol (Institut für Numismatik, Universität Wien)
Tremissis – Byzantinische Goldmünze,
Mauricius (582 bis 602),
aus dem Münzschatzfund von Aldrans, Tirol (Institut für Numismatik, Universität Wien)
Der Niedergang des weströmischen Reichs Ende des 4. Jahrhunderts brachte die Wirtschaft des Donau- und Ostalpenraumes zum Erliegen und zerstörte die Grundlagen des Geldwesens. Münzgeld spielte in den folgenden zwei Jahrhunderten der Völkerwanderung im wirtschaftlichen Verkehr dieses Gebiets kaum eine Rolle. Der Handel diente in dieser Zeit nur mehr der Nahversorgung. Die staatlichen Steuereinnahmen wurden für die Finanzierung des Heeres, der immer mächtiger werdenden Bürokratie und für Tribute an germanische und hunnische Stämme verwendet, die die Grenzen bedrohten.
Nur vereinzelt, im Gefolge kriegerischer Auseinandersetzungen, gelangten fremde Münzen in das Gebiet des heutigen Österreich. In Aldrans bei Innsbruck wurden goldene, nach byzantinischen Vorbildern gefertigte Tremisses (Drittelsolidi) gefunden, die nach dem Einfall der Franken in das langobardische Italien um 590 vermutlich für den Freikauf von Gefangenen verwendet wurden.