Presseaussendung


Zinssätze für Wohnbau- und Großkredite stark rückläufig

Wien, 19. 5. 2004


Zinssätze für Wohnbau- und Großkredite stark rückläufig


Die Entwicklung der Kundenzinssätze der Banken in Österreich und im Euroraum im 1. Quartal 2004

  • Im ersten Quartal 2004 gab es bei den Zinssätzen für neue Wohnbaukredite (–0,25 bzw. effektiv –0,14%-Punkte gegenüber Dezember 2003) und Großkredite (über 1 Million Euro) an Unternehmen (–0,17%-Punkte) in Österreich im Neugeschäft starke Rückgänge.
  • Das Niveau der neu vergebenen Kreditzinssätze lag im März 2004 in den meisten Kategorien nahe am Durchschnitt des Euroraumes, nur bei Konsumkrediten an private Haushalte deutlich darunter (5,29% gegenüber 7,32%).
  • Der Zinssatz für Einlagen von privaten Haushalten mit Laufzeit von über 2 Jahren stieg in Österreich im Jänner stark an und blieb trotz den darauf folgenden Rückgängen im März mit 2,84% deutlich über jenem des Euroraumes (2,33%).
  • Die Zinsspanne über alle neu vergebenen EUR-Kredite bzw. EUR-Einlagen sank im ersten Quartal 2004 in Österreich auf 1,41%-Punkte und lag damit deutlich unter dem Wert des Euroraumes (1,88%-Punkte).  


Kredite

Bei den Zinssätzen für neu vergebene Eurokredite kam es im Kundengeschäft der Banken in Österreich im 1. Quartal 2004 zu uneinheitlichen Entwicklungen:

 

Deutliche Rückgänge gab es insbesondere bei den Wohnbaukrediten. Diese sanken aufgrund einiger Aktionen bei größeren Banken im Februar dieses Jahres mit 4,02% auf den tiefsten Wert seit Einführung der Zinssatzstatistik im Jänner 2003. Auch im März wurde dieser Tiefststand ermittelt, gegenüber Dezember 2003 ein Rückgang von 0,25 Prozentpunkten. Beim korrespondierenden Effektivzinssatz (d. h. inkl. Gebühren) war mit –0,14%-Punkten auf 4,40% ein weit geringerer Rückgang festzustellen. Der durchschnittliche annualisierte vereinbarte Jahreszinssatz (definiert als Nominalzinssatz inkl. unterjährige Zinskapitalisierungen) für März entsprach somit jenem im gesamten Euroraum, wobei auch dort die Rückgänge im ersten Quartal (–0,21%-Punkte) ähnlich deutlich waren. Auch für den Euroraum blieben die Rückgänge bei den Effektivzinssätzen für Wohnbauzwecke etwas geringer (–0,17%-Punkte auf 4,29%) als jene beim annualisierten vereinbarten Jahreszinssatz.

Bei Unternehmenskrediten gab es bei den Großkrediten mit Volumen von über 1 Million Euro in Österreich weiterhin rückläufige Durchschnittszinssätze und mit 2,92% einen Tiefststand seit Einführung der Zinssatzstatistik. Der Rückgang im ersten Quartal 2004 belief sich auf 0,17%-Punkte. Auch in dieser Kategorie verlief die Entwicklung somit parallel zu jener des gesamten Euroraumes, wobei vom Niveau her der Durchschnittszinssatz für Österreich mit 2,92% noch unter jenem für Euroland (3,05%) und am unteren Ende der Bandbreite aller Länder lag.

 

Für Unternehmenskredite mit geringerem Volumen (bis 1 Million Euro) gab es im ersten Quartal 2004 in Österreich eine etwas andere Entwicklung. Der durchschnittlich vergebene Zinssatz stieg gegenüber Ende 2003 sogar geringfügig (um 0,02%-Punkte) auf 4,03% an (verglichen mit 4,00% im Eurodurchschnitt), was auf Anhebungen im März zurückzuführen war. Im März gab es somit den höchsten seit Einführung der Zinssatzstatistik registrierten Abstand zu den Großkrediten von 1,11%-Punkten.

 

Bei Krediten an private Haushalte für Konsumzwecke  gab es im ersten Quartal 2004 in Österreich einen relativ starken Anstieg zu verzeichnen (gegenüber Dezember 2003 um 0,13%-Punkte auf 5,29%). Nach wie vor war dieser Wert im Euroraumvergleich aber extrem niedrig. Im Durchschnitt stiegen die Zinssätze für Konsumkredite im ersten Quartal 2004 im Euroraum sogar (von 7,07 auf 7,32%) noch stärker als in Österreich. Auf den Effektivzinssatz bezogen betrugen die Anstiege in Österreich im ersten Quartal 0,18%-Punkte (von 5,92 auf 6,10%) und im Euroraum 0,29%-Punkte (von 7,71 auf 8,00%).

 

Ein Vergleich mit den Vorjahreswerten zeigt, dass in Österreich die Rückgänge des EZB-Leitzinssatzes im Kreditbereich in stärkerem Maße nachvollzogen wurden als im Euroraum. In den wichtigsten beobachteten Kategorien (siehe Tabelle 1) lagen die Durchschnittszinssätze zwischen 0,36 und 0,85%-Punkten unter den Vergleichswerten des Vorjahres, im Euroraum betrug die Differenz nur zwischen 0,06 und 0,64%-Punkte. Auch bei den Zinssätzen über den Gesamtbestand an Krediten  (inklusive Altkredite) zeigte sich ein ähnliches Bild, wobei hier sicher der sehr hohe Anteil an variabel verzinsten Krediten in Österreich ein Grund war: In Österreich lagen die Rückgänge in den verschiedenen Produktkategorien zwischen 0,46 und 0,83%-Punkten, im Euroraum hingegen nur zwischen 0,26 und 0,72%-Punkten.

 

Einlagen

Im Einlagenbereich  gab es in Österreich im ersten Quartal 2004 im Bereich der Spareinlagenzinssätze im Jänner einen bemerkenswerten Anstieg bei längeren Laufzeiten (von über 2 Jahren) zu verzeichnen. Der entsprechende Durchschnittszinssatz stieg bei einer großen Anzahl von neu hereingenommenen Einlagen im Vergleich zu Dezember 2003 um 0,16%-Punkte (bei allen Einlagenprodukten an private Haushalte – inklusive Termineinlagen – noch immer um 0,11%-Punkte). Damit wurde im Einlagenbereich in größerem Maße als bei Krediten die Entwicklung am Geldmarkt zeitverzögert mitgemacht (der 12-Monats-EURIBOR war von Oktober auf November um 0,11%-Punkte gestiegen), allerdings führten die Reduktionen am Geldmarkt (–0,22%-Punkte beim 12-Monats-EURIBOR zwischen Dezember und Februar) auch bei den Einlagen wieder zu niedrigeren Zinssätzen im Februar und März, sodass über das gesamte erste Quartal gesehen in den verschiedenen Laufzeitenkategorien der Einlagen an private Haushalte nur noch ein marginaler Anstieg bei längerfristigen Einlagen (+0,01%-Punkte bei Laufzeit von über 2 Jahren), hingegen Rückgänge bei kürzer gebundenen (um 0,01 bzw. 0,15%-Punkte bei Laufzeiten von bis zu 1 Jahr bzw. 1 bis 2 Jahren) zu beobachten waren.

Im Euroraum-Durchschnitt ließ sich bei längerfristigen Einlagen eine ähnliche Bewegung wie in Österreich erkennen, über das gesamte Quartal waren die Rückgänge aber deutlicher (um 0,08 bzw. 0,26%-Punkte bei Laufzeiten von über 2 bzw. 1 bis 2 Jahren). Bei einem Vergleich mit März 2003 waren Österreichs Sparer insbesondere bei Einlagen mit Laufzeit von mehr als 2 Jahren mit einem durchschnittlichen Rückgang von 0,15%-Punkten gegenüber jenen im Euroraum (–0,41%-Punkte) relativ gesehen deutlich im Vorteil

Bei Einlagen von Unternehmen gab es im ersten Quartal in Österreich nur wenig Veränderungen. Der Durchschnittszinssatz über alle Laufzeitenkategorien sank im ersten Quartal 2004 um 0,08%-Punkte auf 1,96% und lag damit deutlich unter jenem für Spareinlagen von privaten Haushalten (2,33%).

Die asymmetrische Weitergabe von Leitzins- bzw. Geldmarktzinssenkungen zugunsten des Kunden (Einlagenzinssätze sanken schwächer als Kreditzinssätze) hatte zur Folge, dass sich die Spanne zwischen dem Durchschnittszinssatz der neu vergebenen EUR-Kredite und jenem der EUR-Einlagen im Kundengeschäft mit privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen von 1,43 auf 1,41%-Punkte verringerte, gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres (1,93%-Punkte) sogar noch viel stärker. Im Euroraum hingegen verliefen die Zinssenkungen im Kredit- bzw. Einlagenbereich weitaus gleichförmiger, sodass die Spanne im Neugeschäft im ersten Quartal zwar wie in Österreich um 0,02%-Punkte (von 1,90 auf 1,88%-Punkte) sank, gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres (1,94%-Punkte) aber um viel weniger.

 




Neugeschäft Wohnbaukredite

Herausgeber:

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