Presseaussendung


Haushalte bleiben wichtigster privater Geldgeber der Banken

OeNB präsentiert das aktuelle Finanzverhalten der Österreicher

Wien, 3. 11. 2011


Die Hälfte des Geldvermögens der privaten Haushalte ist bei inländischen Banken veranlagt. Neben Spareinlagen gewannen vor allem auch Bankanleihen an Bedeutung. Für Österreichs Banken bleiben daher die Haushalte wichtige Geldgeber: Rund ein Viertel der Verpflichtungen haben die Banken gegenüber österreichischen Haushalten.

 

Im Zuge der andauernden Finanzkrise reduzierten die österreichischen privaten Haushalte ihre Spartätigkeit auf unter 9% ihres verfügbaren Einkommens und hielten einen Finanzvermögensbestand von 471 Mrd EUR per 30. Juni 2011. Bei ausgewiesenen Schulden von rund 163 Mrd EUR verfügten die Österreicher somit über ein Nettovermögen von 308 Mrd EUR. OeNB-Direktoriumsmitglied Mag. Andreas Ittner erklärte, dass auch während der anhaltenden Unsicherheiten auf den Finanzmärkten die Österreicherinnen und Österreicher ihre Einlagenbestände in den letzten vier Jahren konstant hoch hielten. Zur Jahresmitte 2011 waren dies 44%(208 Mrd EUR)des Gesamtvermögens.

 

Wie der Direktor der Hauptabteilung Statistik Dr. Johannes Turner weiter ausführte, liegen von den 202 Mrd EUR Einlagen bei inländischen Banken aktuell 64 Mrd EUR auf täglich fälligen Konten (31%), rund 95 Mrd EUR auf Konten mit einer Bindungsfrist von bis zu zwei Jahren (47%) und lediglich die verbleibenden 43 Mrd EUR sind länger gebunden. Die Österreicher präferieren in Krisenzeiten also schnell verfügbares Geld, damit je nach Veranlagungsstrategie Portfolioumschichtungen vorgenommen werden können. Die Haushalte nehmen dafür reale Verluste aus der Verzinsung in Kauf, da Ende Juni 2011 der nominelle Zinssatz für fast alle Einlagenformen unter der Inflationsrate lag.

 

Rund 43,5 Mrd EUR des Vermögens waren zur Jahresmitte 2011 in Form von verzinslichen Wertpapieren veranlagt. In den letzten Quartalen waren österreichische Bankanleihen besonders gefragt. 75% der Anleihen im Besitz der Haushalte waren Emissionen österreichischer Banken. Die Banken konnten sich somit bei Haushalten neben Einlagen zusätzlich über Wertpapiere refinanzieren. Die hohe Nachfrage nach Produkten inländischer Banken spiegelt das Vertrauen der Bevölkerung in das österreichische Bankensystem wider.

 

Generell, so stellte Turner fest, war bei den Veranlagungen derÖsterreicherinnen und Österreicher im ersten Halbjahr zu beobachten, dass, im Gegensatz zu einem langfristigen Trend, das Heft bei der Veranlagung wieder stärker selbst in die Hand genommen wurde. So kaufte der durchschnittliche Österreicher im ersten Halbjahr 2011 um 36 Euro im Monat Bankanleihen und 39 Euro pro Monat wurden in Form von Einlagen veranlagt, während Investmentzertifikate durchschnittlich um 15 EUR pro Monat verkauft wurden. Das geringere Interesse an Investmentzertifikaten war schon in den letzten vier Jahren zu beobachten.

 

Private Kreditnehmer waren zur Jahresmitte 2011 mit 163 Mrd EUR verschuldet. Österreichische Haushalte hatten vor allem für die Wohnbaufinanzierung Kredite in Höhe von 106 Mrd EUR. Diesen Krediten steht allerdings auf der Aktivseite ein entsprechendes Immobilienvermögen gegenüber. Zum gleichen Stichtag waren 40 der 140 Mrd EUR an ausstehenden Bankkrediten in Fremdwährungen denominiert.

 

Weitere statistische Informationen unter  statistik.oenb.at sowie dieaktuellezahl.oenb.at.



Finanzvermögen und Verpflichtungen der privaten Haushalte 
 Kapitalbewegungen
1. Halbjahr 2011
Vermögen und Verpflichtungen
zum Ultimo
Jun. 11
 in Mrd EUR Pro Monat / Einwohner1 in EURin Mrd EURAnteil in %
 
Bargeld0,51117,33,7
Einlagen1,939208,144,2
     Täglich fällige Einlagen0,91764,413,7
     Gebundene Einlagen1,121143,730,5
hievon: bei inländischen Banken1,939202,142,9
hievon: Spareinlagen bei inländischen Banken20,511150,131,8
Verzinsliche Wertpapiere2,04043,49,2
    inländische Bankanleihen1,83632,56,9
    sonstige verzinsliche Wertpapiere0,2310,92,3
Börsennotierte Aktien−0,1−117,33,7
Investmentzertifikate−0,7−1539,18,3
sonstige Anteilsrechte−0,2−439,48,4
Lebensversicherungsansprüche0,81568,514,5
Pensionskassenansprüche0,5916,63,5
Sonstige Finanzinvestitionen31,01921,54,6
Geldvermögensbildung/Geldvermögen5,6112471,2x
 
Kredite1,4x161,8100,0
   Nach dem Verwendungszweck:    
   Wohnbaukredite1,3x105,865,4
   Konsumkredite und sonstige Kredite0,1x56,034,6
   Nach dem Kreditgeber:    
   Inländische Banken1,2x138,985,9
   Staat, sonstiger Finanzsektor und Ausland0,2x22,814,1
sonstige Verbindlichkeiten0,1x1,5 
Finanzierung/Verpflichtungen1,5x163,3x
 
Finanzierungssaldo/Nettogeldvermögen4,1x307,9x
 


Rückfragehinweis:

Dr. Christian Gutlederer 

Pressesprecher

Tel.: (+43-1) 404 20-6609

Mehr zu dieser Seite

Reden und Präsentationen

Weiterführende Informationen