Private Haushalte verwendeten von ihrem verfügbaren Einkommen im abgelaufenen Jahr mehr Geld für den Konsum und weniger für die Ersparnisbildung als 2008. Die Konsequenz: Auch der Vermögensaufbau fiel geringer aus. Erfreulich für Wertpapierbesitzer war der Wiederanstieg der Kurse an den internationalen Börsen.
Gemäß den Daten der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung betrug die Geldvermögensbildung privater Haushalte durch Investitionen in Form von Bankeinlagen, Wertpapieren, Beteiligungen, Versicherungs- und Pensionskassenansprüchen sowie einer erhöhten Bargeldhaltung im Jahr 2009 14,1 Mrd EUR, das entspricht rund 3,4% des Geldvermögens Ende 2008. Haushalte tätigten ihre Finanzinvestitionen vor dem Hintergrund niedriger Kundenzinssätze und insgesamt steigender Wertpapierpreise. Im Vergleich zum Jahr 2008 bedeutet dies einen um rund 5,1 Mrd EUR geringeren Vermögensaufbau. Der Wert des gesamten Geldvermögens betrug Ende 2009 439,8 Mrd EUR. Inländische Haushalte nahmen per saldo im Jahr 2009 Kredite in Höhe von 1,1 Mrd EUR auf, d. h. um 2 Mrd EUR weniger als noch 2008. Die Schulden erreichten zum Jahresende 2009 einen Wert von 146 Mrd EUR.
Der Nettovermögensaufbau fand im Umfeld eines stagnierenden verfügbaren Einkommens und eines moderaten Konsumwachstums statt. Gleichzeitig ging die Sparquote auf 11%1) zurück.
Großes Interesse hatten die privaten Anleger an täglich fälligen Einlagen inländischer Banken: 2009 flossen 13,1 Mrd EUR in diese Veranlagungsform, die aus Erspartem, aber auch zu einem hohen Ausmaß aus der Umschichtung gebundener Einlagen, insbesondere Termineinlagen, in Höhe von 6,1 Mrd EUR dotiert wurden.
Die Ansprüche privater Haushalte gegenüber Versicherungen und Pensionskassen stiegen im Jahr 2009 um 3,7 Mrd EUR und waren damit die zweitwichtigste Veranlagungsform privater Haushalte im abgelaufenen Jahr. Sie wurden sowohl für die langfristige Absicherung als auch als Tilgungsträger für endfällige Kredite verwendet.
Sehr ambivalent war das Verhalten privater Investoren im Zusammenhang mit Wertpapieren: 2009 kauften private Anleger per saldo langfristige Anleihen und Aktien – vor allem jene ausländischer Emittenten – sowie erstmals seit zwei Jahren auch Investmentzertifikate. Bundesschatzscheine, aber auch Geldmarktpapiere inländischer Banken, wurden hingegen von privaten Haushalten verkauft. Insgesamt betrug der Vermögensaufbau 2009 aus dem Nettoerwerb handelbarer Wertpapiere rund 0,5 Mrd EUR gegenüber 1,3 Mrd EUR im Jahr 2008.
Wertpapierbesitzer profitierten im Jahr 2009 von den wieder ansteigenden Wertpapierkursen. Der Marktwert erhöhte sich dadurch um 8 Mrd EUR und war vor allem auf Aktienkursanstiege im zweiten und dritten Quartal 2009 zurückzuführen. Das Wertpapierportefeuille privater Anleger erreichte zum Jahresende 2009 einen Wert von 88 Mrd EUR und lag damit noch immer um rund 11 Mrd EUR unter dem Niveau vor Ausbruch der Finanzkrise im dritten Quartal 2007.
Das gesamte Finanzvermögen2) der österreichischen Privatanleger erreichte zum Ultimo 2009 einen Wert von rund 440 Mrd EUR – ein Plus von 5,1% gegenüber Dezember 2008.
Stark abgekühlt hat sich neben dem Vermögensaufbau auch die Neuverschuldung der privaten Haushalte. Sie ging von 3,1 Mrd EUR im Jahr 2008 auf nur mehr 1,1 Mrd EUR im Jahr 2009 zurück. Die Rücknahme der Neugeschäftszinsen für alle Kreditarten sowie die Normalisierung der Richtlinien für die Kreditvergabe der Banken zeigten im Jahr 2009 nur wenige Impulse. Wenn sich private Haushalte neu verschuldeten, dann in erster Linie für Wohnbaukredite, die im Jahr 2009 um 1,5 Mrd EUR stiegen. Vor dem Hintergrund der wieder besseren Einschätzung der Aussichten auf dem Wohnungsmarkt seitens der Haushalte setzte, insbesondere im zweiten Halbjahr 2009, eine leichte Belebung der Kreditnachfrage ein. Im Gegensatz dazu tilgten private Schuldner per saldo ihre Konsumkredite um 450 Mio EUR. Insgesamt stieg der Schuldenstand privater Haushalte Ende 2009 gegenüber Ultimo 2008 nur marginal auf 146 Mrd EUR an, wobei davon rund zwei Drittel auf Wohnbaukredite entfielen.
Die Nettovermögensposition (d. h. Geldvermögen (Finanzvermögen) abzüglich aushaftender Schulden) erhöhte sich von 272,8 Mrd EUR zum Jahresende 2008 um knapp 7,8% auf 293,8 Mrd EUR Ende 2009.