Presseaussendung


Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2002: Österreich holt auf

Wien, 7. 10. 2002


  • Die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland beliefen sich im 1.Halbjahr 2002 auf 3,2 Mrd. EUR, beinahe soviel wie im gesamten Jahr 2001 
  • Die Hälfte der Direktinvestitionen Österreichs (1,6 Mrd EUR) entfiel auf Mittel- und Osteuropa. Spitzenreiter waren die Tschechische Republik, Kroatien, Slowenien und Ungarn.
  • Eingebrochen ist der Investitionszufluss aus dem Ausland: Er lag mit 640 Mio € auf dem niedrigsten Niveau seit 1995       

Nachdem sich die weltweiten Direktinvestitionsflüsse im Jahr 2001 gegenüber dem Jahr davor halbiert und damit normalisiert hatten, rechnet die UNCTAD angesichts der unsicheren Lage der Weltkonjunktur und der anhaltenden Schwäche der Börsen auch im Jahr 2002 mit einer verhaltenen Entwicklung der Direktinvestitionen (vgl. UNCTAD: World Investment Report 2002). In Österreich äußert sich dieser Effekt bisher in sehr asymmetrischer Weise. Während nämlich die passiven Direktinvestitionen tatsächlich merklich schwächer wachsen als in den Jahren zuvor, erweisen sich die aktiven Direktinvestitionen als sehr robust. Damit könnte es im Jahr 2002 gelingen, den Rückstand bei den aktiven Direktinvestitionen etwas abzubauen. 

Die aktiven Direktinvestitionen österreichischer Unternehmen im Ausland beliefen sich im ersten Semester 2002 auf netto 3.170 Mio EUR und erreichten damit den mit Abstand höchsten jemals in den ersten 6 Monaten eines Jahres erreichten Wert. Das Halbjahresergebnis 2002 bewegt sich in der Größenordnung der 1999 oder 2001 innerhalb eines ganzen Jahres getätigten Investitionen. Der Betrag von 3.170 Mio EUR setzt sich aus Beteiligungen in Höhe von 2.350 Mio EUR, 630 Mio EUR an reinvestierten Gewinnen und 200 Mio EUR an konzerninternen Krediten zusammen. Im Beteiligungskapital enthalten sind Bruttoneuinvestitionen von rund 2.980 Mio EUR, denen 640 Mio EUR an Desinvestitionen gegenüberstanden. 

Die Hälfte der investierten Mittel (1.610 Mio EUR) floss unmittelbar nach Mittel- und Osteuropa. Spitzenreiter war die Tschechische Republik (670 Mio EUR) vor Kroatien (280 Mio EUR), sowie Slowenien und Ungarn (jeweils 170 Mio EUR). Hoch waren auch die Investitionen in die karibischen Offshorezentren, die aber zum Teil ebenfalls mit Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa in Zusammenhang stehen. Neben Osteuropa sind nur noch die Investitionen in Deutschland in der 

Höhe von 220 Mio EUR erwähnenswert. Treibende Kraft hinter diesen Aktivitäten war vor allem der Bankensektor, der seine Rolle als Finanzdienstleister Mittel- und Osteuropas weiter ausbaut. Bedeutende Aktivitäten gab es auch in anderen Dienstleistungssektoren, wie dem Handel, der Telekommunikation, bei Versicherungen und Immobilieninvestoren. Aber auch im Bereich der Sachgütererzeugung war eine Vielzahl von Investitionen zu verzeichnen. 

Die passiven Direktinvestitionen des Auslands in Österreich sind dagegen massiv eingebrochen und erreichten mit 640 Mio EUR den geringsten Halbjahreswert seit 1995. Die Netto-Neuinvestitionen sind sogar zum Stillstand gekommen. Brutto-Investitionen an Beteiligungskapital in der Höhe von 840 Mio EUR stehen Desinvestitionen von 930 Mio EUR gegenüber, die unter anderem mit dem Rückzug der Telecom Italia aus dem österreichischen Mobilfunkmarkt in Zusammenhang stehen. Einen positiven Beitrag leisteten allein die reinvestierten Gewinne mit 870 Mio EUR, denn auch die konzerninternen Kreditbeziehungen führten zu einem Abzug finanzieller Mittel im Ausmaß von 140 Mio EUR. 

Wie fast immer kam das investierte Kapital vorwiegend aus Deutschland (1.060 Mio EUR). Daneben erreichten nur die Zuflüsse aus den Vereinigten Staaten mit 120 Mio EUR einen dreistelligen Millionenbetrag.

Tabelle 1 – Direktinvestitionen Österreichs im Ausland
Tabelle 2 – Direktinvestitionen des Auslands in Österreich


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