- Aktive und passive Direktinvestitionsbestände sind von 1999 auf 2000 um jeweils 40 Prozent gewachsen.
- Mit jeweils einer Viertel Million Menschen arbeiten annähernd gleich viele Österreicher für ausländische Investoren wie Ausländer für österreichische Investoren.
- Aktive und passive Direktinvestitionsunternehmen erwirtschaften Rekordgewinne. Die Hälfte des Ertrags österreichischer Auslandstöchter von 1,3 Mrd. EUR kommt aus den Ländern Mittel- und Osteuropas.
- Detaillierte Daten erscheinen als Beilage zum Statistischen Monatsheft 6/2002 und sind im Internet hier abrufbar.
Entwicklung 2000
Weltweit hatte eine Welle von Fusionen, Übernahmen und grenzüberschreitenden Firmenverflechtungen im Jahr 2000 einen Höhepunkt erreicht. Diese Tatsache spiegelt sich auch in der kürzlich abgeschlossenen Befragung der OeNB für den Bestand an Direktinvestitionen zum Jahreswechsel 2000/2001 wider. Sowohl die Zunahme der passiven Direktinvestitionen (um 9,3 Mrd. EUR bzw. 40 %) als auch die Zunahme der österreichischen Investitionen im Ausland (7,6 Mrd. EUR und ebenfalls 40 %) markieren historische Höchstwerte.
Nach den Ergebnissen der jüngsten Direktinvestitionsbefragung der OeNB erreichte der Gesamtstand der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich (passivseitig) 32,7 Mrd. EUR, der Gesamtstand der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland (aktivseitig) belief sich per Ende 2000 auf 26,7 Mrd. EUR. Das Niveau der aktiven Direktinvestitionen verharrte damit unverändert bei etwa vier Fünftel der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich, während es zehn Jahre zuvor noch bei weniger als einem Drittel gelegen war.
Bei den passiven Direktinvestitionen stieg sowohl die Zahl der Investoren (um 57 auf 3.049) als auch die Zahl der direkt abhängigen Unternehmen (um 46 auf 2.588) leicht an. Um 10 % zugenommen auf 251.200 hat die Zahl der Österreicher, die für ausländische Eigentümer arbeiten.
Auch die Zahl der österreichischen Investoren ist von 1999 auf 2000 leicht gestiegen (von 902 auf 917). Diese Investoren waren zum Stichtag an 2.227 (+132) ausländischen Unternehmen beteiligt und beschäftigten insgesamt 248.600 Personen (+25 %). Damit sind in den Tochterunternehmen österreichischer Investoren im Ausland annähernd gleich viele Menschen beschäftigt wie in Österreich bei ausländisch beeinflussten Unternehmen.
Mit der einsetzenden Talfahrt der Börsen sind die Direktinvestitionsumsätze im Jahr 2001 weltweit um bis zu 50 % zurückgegangen. Auch in Österreich war laut Zahlungsbilanzstatistik die Ausweitung der grenzüberschreitenden Beteiligungen deutlich schwächer. Angesichts von aktiven Direktinvestitionen in Höhe von 3½ Mrd. EUR dürfte der Bestand bis zum Jahresbeginn 2002 daher auf der Aktivseite auf knapp 30 Mrd. EUR, der passive Direktinvestitionsbestand um 6½ auf 39 Mrd. EUR angewachsen sein.
Regionale Struktur
Das entscheidende Ereignis des Jahres 2000 aus Sicht der Direktinvestitionsstatistik war die Fusion von Bank Austria und Hypo Vereinsbank gewesen. Dementsprechend war die stärkste Ausweitung der aktiven Direktinvestitionen vis-à-vis Deutschland zu verzeichnen, wo sich die Bestände beinahe verdoppelt haben. Insgesamt entfiel ein Drittel des Zuwachses von 7,6 Mrd. EUR auf die EU, ein Drittel auf Osteuropa und ein Drittel auf alle übrigen Regionen. Innerhalb der Länder Mittel- und Osteuropas waren es die Tschechische und die Slowakische Republik, wo die DI-Bestände am stärksten zugenommen haben. Außer in den traditionellen Zielländern Polen und Ungarn wurden auch in Kroatien und Slowenien, in Rumänien und Russland die Investitionen aufgestockt. Die stärksten Zuwächse außerhalb Europas ergab die Erhebung der OeNB in den Vereinigten Staaten und in den karibischen Offshore-Finanzzentren. Zu Jahresende 2000 entfielen über 42 % der österreichischen DI-Bestände im Ausland auf die Europäische Union, etwa 30 % auf Mittel- und Osteuropa, 8 % auf die USA, 5 % auf die Schweiz und 4 % auf die karibischen Offshore-Finanzzentren. Auf sonstige außereuropäische Ziele, darunter alle Schwellenländer Asiens und Lateinamerikas, entfallen bloße 6 % des österreichischen Direktinvestitionskapitals.
Betrachtet man die Zahl der Beteiligungen bzw. die Beschäftigtenzahlen, so stellt sich die Situation allerdings anders dar: Am stärksten gewachsen ist die Zahl der Beteiligungen in Mittel- und Osteuropa, nämlich um 71 bei einer Gesamtzunahme um 130 Beteiligungen. Ähnlich ist das Bild beim Beschäftigungszuwachs: Er findet ganz überwiegend in Mittel- und Osteuropa statt: Mehr als 34.000 von insgesamt 49.500 zusätzlichen Beschäftigten finden sich in dieser Region. Zum Jahreswechsel 2000/2001 arbeiten zwei Drittel der knapp 250.000 Auslandbeschäftigten in mittel- und osteuropäischen Tochterbetrieben (davon jeweils 50.000 in Ungarn und in der Tschechischen Republik, 20.000 in Polen und 15.000 in der Slowakei), während in der EU ein knappes Viertel, außerhalb Europas etwa 10 % der Beschäftigten zu finden sind.
Die erwähnte Bankenfusion erklärt auch die Tatsache, dass zwei Drittel des Zuwachses an ausländischem Direktinvestitionskapital in Österreich im Jahr 2000 auf Deutschland entfielen. Daneben waren es weitere EU-Mitgliedsländer, die ihre Direktinvestitionen in Österreich ausgebaut hatten, im Jahr 2000 waren es vor allem Luxemburg, Spanien, das Vereinigte Königreich und die Niederlande. Als außereuropäische Investoren sind vor allem die USA und Japan in Erscheinung getreten. Damit setzte sich auch 2000 der Trend einer wachsenden Bedeutung von Geldgebern aus der EU fort. Ihr Kapitalanteil nähert sich der Marke von 80 %. Auf Deutschland, das wichtigste Herkunftsland, entfallen alleine mehr als 45 % der ausländischen Direktinvestitionen. Neben den EU-Staaten fallen nur die Schweiz mit 10 %, die USA mit 6 %, Japan mit 3 % ins Gewicht.
Branchenstruktur
Die Neu-Investitionen Österreichs im Ausland konzentrierten sich 2000 zu 80 % auf den Dienstleistungssektor (Tabelle 3). Damit setzte sich die Tendenz der wachsenden Bedeutung dieses Sektors fort. Auf ihn entfallen bereits 73 % des Direktinvestitionskapitals im Ausland, während nur 25 % im Produktionsbereich und 2 % im Sektor Bergbau und Energie liegen. Die höchsten Zunahmen gab es bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+3,8 Mrd. EUR) und im Finanzsektor(+1,4 Mrd. EUR). Innerhalb der Sachgüterproduktion sind vor allem die Chemische Industrie (+0,4 Mrd. EUR) und die Metallindustrie (+0,6 Mrd. EUR) erwähnenswert.
Auch auf der Passivseite dominierte der Dienstleistungsbereich mit 80 % der Kapitalaufstockung. Die Hälfte davon war dem Kredit- und Versicherungswesen zuzurechnen. Stark ausgeweitet wurden die Investitionen auch bei den „unternehmensbezogenen Dienstleistungen“ (einschließlich Holdinggesellschaften) mit +2,4 Mrd. EUR und im Handel (+1 Mrd. EUR). Innerhalb der Sachgüterproduktion wurden vor allem die Auslandsinvestitionen in der Elektroindustrie erweitert. Insgesamt hat sich damit die Struktur wieder zu Gunsten der Dienstleistungen verschoben: Ihr Anteil stieg von 1999 auf 2000 von 68 auf 71 %, wobei der Anteilsgewinn des finanziellen Sektors mit 8 Prozentpunkten (von 10 auf 18 %) am deutlichsten war.
Erträge
Die Erträge österreichischer Beteiligungsunternehmen im Ausland sind im Jahr 2000 weiter gestiegen. Die Hälfte des Jahresergebnisses von 1,3 Mrd. EUR wurde in Mittel- und Osteuropa erwirtschaftet. Auch in den übrigen Zielregionen mit Ausnahme von Nordamerika war das Jahresergebnis 2000 positiv. Zusätzlich konnten 2000 die Gewinnvorträge auf 480 Mio. EUR aufgestockt werden.
Rekordniveau erreichten auch die Erträge der unter ausländischem Einfluss stehenden österreichischen Direktinvestitionsunternehmen. Das Jahresergebnis konnte um 500 Mio EUR auf über 3 Mrd. EUR gesteigert werden. Damit behaupteten die passiven Direktinvestitionen einen Rentabilitätsvorsprung von 10,8 % gegenüber nur 6,0 % Eigenkapitalrendite bei den österreichischen Auslandsbeteiligungen.
Tabelle 1: Bestände und Ströme an aktiven und passiven Direktinvestitionen in Österreich
Tabelle 2.1: Stand der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland zu Jahresende
Tabelle 2.2: Stand der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich zu Jahresende
Tabelle 3: Branchenstruktur der aktiven und passiven Direktinvestitionen im Zeitverlauf
Tabelle 4.1: Erträge aus österreichischen Direktinvestitionen im Ausland
Tabelle 4.2: Erträge der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich