Presseaussendung


Dynamische Entwicklung der Direktinvestitionen im 1. Halbjahr 2000

Oesterreichische Nationalbank präsentiert aktuelle Direktinvestitionsdaten

Wien, 29. 11. 2000


  • Die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland beliefen sich im 1. Halbjahr 2000 auf 1.105 Mio. € (15 Mrd. S). Etwa die Hälfte der Investitionen entfiel dabei auf Länder in Mittel- und Osteuropa.
  • Der Zufluss aus dem Ausland lag bei 1.265 Mio. € (17 Mrd. S). Österreich bleibt damit weiterhin ein attraktives Zielland für Direktinvestitionen.     
Herr Dr. Aurel Schubert, Hauptabteilungsleiter für Statistik der Oesterreichischen Nationalbank, präsentierte heute die aktuellen Daten zu den Direktinvestitionen Österreichs im ersten Halbjahr 2000. Dabei betonte er, dass die dynamische Entwicklung der Direktinvestitionen, die schon während der letzten Jahre beobachtet werden konnte, auch heuer weiter anhält. Zwar lagen im ersten Halbjahr 2000 sowohl die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland als auch jene des Auslands in Österreich etwas unter den Vergleichsniveaus des Vorjahres, aber angesichts einer großen Zahl laufender oder geplanter Projekt sei es jedoch keineswegs ausgeschlossen, dass im Jahresergebnis neue Spitzenwerte erreicht werden können. In jedem Fall bleibt für Österreich im Bereich der Direktinvestitionen sowohl im europäischen als auch im internationalen Vergleich weiterhin ein bedeutender Aufholbedarf.

Die aktiven Direktinvestitionen österreichischer Unternehmen im Ausland beliefen sich im ersten Halbjahr 2000 auf 1,1 Mrd. EUR (15 Mrd. ATS). Sie waren damit nur um 8 % geringer als der Rekordwert im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus Beteiligungen in Höhe von 650 Mio. EUR und 290 Mio. EUR an reinvestierten Gewinnen, während die konzerninternen Kreditbeziehungen weitere 160 Mio. EUR beitrugen. Im Beteiligungskapital enthalten sind Bruttoneuinvestitionen von rund 1.260 Mio. EUR (darunter 120 Mio. EUR für Grundstückserwerb) und Desinvestitionen im Ausmaß von 610 Mio. EUR. Hauptabteilungsleiter Schubert strich heraus, dass beinahe die Hälfte des investierten Kapitals im ersten Halbjahr 2000 nach Osteuropa  floss, darunter vor allem nach Ungarn (12 %), in die Tschechische Republik (10 %) und nach Polen (9 %). Wichtigstes einzelnes Zielland war jedoch mit 28 % Deutschland, gefolgt von den USA mit 13 %. Aus der Schweiz bzw. Liechtenstein wurden hingegen 180 Mio. EUR an Direktinvestitionen abgezogen. Damit würden sich die österreichischen Unternehmen vor allem in den vertrauten Nachbarmärkten engagieren und nur in sehr geringem Ausmaß in fernliegenden Ländern. Branchenmäßig waren die Investitionen wieder breit gestreut, sie betrafen die Bereiche Banken und Handel, Maschinenbau, Baustoffe, Papier und Nahrungsmittel.

Die passiven Direktinvestitionen des Auslands in Österreich bewegten sich mit 1.260 Mio. EUR (17 Mrd. ATS) in ähnlicher Höhe wie die aktiven Direktinvestitionen, verglichen mit den beiden Jahren davor bedeutet dies jedoch einen merklichen Rückgang. Ursache dieser Entwicklung waren außerordentlich hohe Gewinnausschüttungen an ausländische Eigentümer im zweiten Quartal. So sind die Brutto-Neuinvestitionen an Beteiligungskapital auf 1.340 Mio. EUR sogar deutlich gestiegen, ebenso die Desinvestitionen (auf 400 Mio. EUR), während die reinvestierten Gewinne (wegen der erwähnten hohen Ausschüttungen) auf ein Minimum von 240 Mio. EUR geschrumpft sind. Die Kreditgewährung hatte bei den passiven Direktinvestitionen mit 80 Mio. EUR nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Beinahe 80 % des investierten Kapitals kamen aus Deutschland (990 Mio. EUR), wobei festzuhalten ist, dass die geplante Verschmelzung der Bank Austria mit der deutschen HypoVereinsbank vermutlich erst im Jahr 2001 ihren Niederschlag in der Kapitalbilanz finden wird. Neben Deutschland sind nur noch die Schweiz (mit 10 %) und die USA (mit 6 %) als Investoren in Österreich in Erscheinung getreten. Die zuletzt starke Konzentration auf den Telekommunikationssektor hat nachgelassen, größere Investitionen gab es (häufig über Holdings abgewickelt) auch im Handel, bei unternehmensnahen Dienstleistungen (wie z. B. Consulting) sowie in den Sektoren Elektronik, Chemie, Papier und Holz.

Wie die Analysen der Hauptabteilung Statistik der Oesterreichischen Nationalbank zeigen, so Hauptabteilungsleiter Schubert, werden die österreichischen wie auch die ausländischen Direktinvestitionen mit zunehmendem Alter ertragreicher und sind damit ein bedeutender Faktor in der Einkommensbilanz Österreichs. 



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