Presseaussendung


Der Bestand an Direktinvestitionen zum Jahreswechsel 1998/99

Ergebnisse einer jährlichen Umfrage der OeNB

Wien, 4. 8. 2000


  • Per Ende 1998 erreichte der Bestand an aktiven Direktinvestitionen Österreichs im Ausland mit einem Gesamtwert von 197 Mrd ATS beinahe 80% des Wertes ausländischer Direktinvestitionen in Österreich. Diese beliefen sich auf 250 Mrd ATS.
  • Etwa 188.000 Arbeitnehmer in mehr als 2000 Unternehmen arbeiten im Ausland für österreichische Eigentümer. Umgekehrt standen 1998 rund 228.000 österreichische Arbeitsplätze in 2500 Unternehmen unmittelbar unter ausländischem Einfluss.
  • 1998 konzentrierte sich der Ausbau aktiver Direktinvestitionen auf Mitgliedsländer der EU, während die Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa nur mäßig erweitert und in Ungarn sogar zurückgenommen wurden. 
  • Schwerpunkt passiver Direktinvestitionen im Jahr 1998 war der Telekommunikationssektor, wo sich das investierte Auslandskapital beinahe verdreifacht hat (+164%). Wichtigste Investoren waren Italien, Frankreich und die Vereinigten Staaten.
  • Detaillierte Daten sind im Internet hier abrufbar.          

Entwicklung 1998

Nach den Ergebnissen der jüngsten Direktinvestitionsbefragung der Oesterreichischen Nationalbank erreichte der Gesamtstand der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland (aktivseitig) per Ende 1998 197,2 Mrd S, der Gesamtstand der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich (passivseitig) betrug 250,4 Mrd S.

Wie schon im Jahr zuvor wuchs der Gesamtstand 1998 auf der Aktivseite mit rund 17 % stärker als auf der Passivseite (13%). Das Wachstum der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland verharrt damit auf hohem Niveau. Die Zunahme um mehr als 29 Mrd S zwischen 1997 und 1998 war der zweithöchste jemals verzeichnete Anstieg, nur im Jahr davor war die Zunahme mit 31 Mrd S noch stärker gewesen. Der Bestand an passiven Direktinvestitionen ist ebenfalls um 29 Mrd S gestiegen, was auch hier den zweithöchsten jemals verzeichneten Wert bedeutet. Aufgrund der Transaktionsstatistik der Zahlungsbilanz wäre noch eine weit deutlichere Zunahme zu erwarten gewesen. Die Diskrepanz zur Flussstatistik rührt im Wesentlichen von Diskrepanzen zwischen tatsächlich gezahltem Kaufpreis und den für die Direktinvestitionsstatistik maßgeblichen Buchwerten her. Insgesamt hat sich die "Lücke" zwischen den Ständen an aktiven und passiven Direktinvestitionen auch 1998 weiter reduziert: Die aktiven Direktinvestitionen erreichten beinahe 80% des Niveaus der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich.

Die Zunahme aktiver Direktinvestitionen erfolgte bei gleichbleibender Anzahl österreichischer Investoren (rd. 900), die sich an einer größeren Zahl ausländischer Unternehmen (+64) beteiligt haben. 1998 arbeiteten insgesamt 187.700 Ausländer (anteilsgewichtet) in 2.006 österreichischen Tochterunternehmen im Ausland, was einem Wachstum von 16 % entspricht. 

Die Zunahme der passiven Direktinvestitionen schlug sich sowohl in einer höheren Zahl an Investoren (+28) als auch in einer höheren Zahl an direkt abhängigen Unternehmen (+61) nieder. Außerdem hat sich die Zahl der Österreicher, die für ausländische Eigentümer arbeiten um 8% auf (anteilsgewichtet) 228.400 Personen erhöht.

Schätzung 1999

Seit der Anpassung der Zahlungsbilanzstatistik an das 5. Manual des IWF lassen sich die Zusammenhänge zwischen den Transaktionen der Zahlungsbilanz und den Bestandsveränderungen der Befragungsaktion in logisch konsistenter Weise darstellen (vgl. Tabelle 1). Wenngleich definitorische Unterschiede, Unschärfen der Erfassung und Unterschiede in der Bewertung dazu führen, dass eine Identität zwischen Bestandsveränderung und Zahlungsbilanztransaktionen nicht erwartet werden kann, so lassen sich dennoch die wesentlichen Komponenten der Standveränderung ablesen. Weiters bietet dieser Zusammenhang die Möglichkeit, eine Prognose für den Direktinvestitionsbestand per Ende 1999 zu erstellen: Weiterhin hohe Werte bei den Direktinvestitionsumsätzen des Jahres 1999 lassen erwarten, dass per Ende 1999 auf der Aktivseite ein Bestand von etwa 230 Mrd S, und auf der Passivseite von beinahe 285 Mrd S an investiertem Kapital erreicht worden sein dürften. 

Regionale Struktur

Die aktiven Direktinvestitionen konzentrierten sich 1998 auf Großbritannien, Dänemark und Deutschland (Tabelle 2). Großbritannien rückte damit an die zweite Stelle der Rangliste österreichischer Direktinvestitionen vor und Dänemark befindet sich erstmals in der Gruppe der 15 wichtigsten Zielländer, während Deutschland trotz der absoluten Zuwächse seinen - tendenziell sinkenden, aber immer noch dominierenden – Anteil gerade noch halten konnte. Mit einer wichtigen Ausnahme, nämlich Ungarn, gab es auch in Mittel- und Osteuropa weitere Zuwächse an Direktinvestitionen. In Ungarn, einem der Investitionsschwerpunkte der frühen neunziger Jahre, ging der Bestand an Direktinvestitionen um 1 Mrd S zurück. Zu Jahresende 1998 entfielen damit gut 45% der österreichischen DI-Bestände im Ausland auf die Europäische Union, und etwas weniger als 30% auf Mittel- und Osteuropa. Daneben sind nur noch die USA (8%), die Schweiz (einschließlich Liechtenstein 7%) und die karibischen Offshore-Finanzzentren (4%) als Zielländer erwähnenswert. Auf den Rest der Welt, darunter auch die aufstrebenden Ökonomien Asiens und Lateinamerikas, entfallen bloße 6% der Direktinvestitionsunternehmen in österreichischem Eigentum. Hinsichtlich der Beschäftigung ist Osteuropa schon seit längerem die wichtigste Region: Zwei Drittel aller 187.700 im Ausland Beschäftigten entfallen auf diese Region (davon 52.000 in Ungarn, 31.000 in Tschechien, 12.000 in Polen und 10.000 in der Slowakei), während in der EU ein gutes Viertel, außerhalb Europas deutlich weniger als 10% der Beschäftigten zu finden sind. 

Die enge Verflechtung der österreichischen Wirtschaft mit den Ländern des Binnenmarktes drückt sich auf der Passivseite durch die große und wachsende Rolle der Unternehmensbeteiligungen aus dieser Region aus. Wie schon 1997 befinden sich auch 1998 mehr als 70% der ausländischen Direktinvestitionsunternehmen in Österreich im Besitz von Eigentümern aus der EU. Auf Deutschland, das wichtigste Herkunftsland, entfallen - trotz Netto-Desinvestitionen im Jahr 1998 - alleine 40%. Mehr als die Hälfte des Zuwachses kam 1998 jedoch aus Italien und Frankreich. Vergleicht man dieses Ergebnis mit der regionalen Zahlungsbilanz, wo die Niederlande als der mit Abstand wichtigste Investor aufscheinen, so ist daran zu erinnern, dass die geographische Zuordnung der Zahlungsbilanz nach dem unmittelbaren Geschäftspartner, jene der Direktinvestitions-Bestandsstatistik aber entsprechend dem Sitz des Stammhauses erfolgt. Wichtigster Investor außerhalb der EU, jedoch mit stetig abnehmendem Gewicht, ist die Schweiz (12% einschließlich Liechtenstein); der wichtigste außereuropäische Investor, die USA (8%), hat sein Engagement in Österreich im Berichtsjahr deutlich verstärkt. Daneben spielen nur noch Japan mit 3% und die Golfstaaten mit 2% eine Rolle. Anders als bei aktiven Direktinvestitionen entspricht die Struktur der Beschäftigtenzahlen annähernd den Kapitalanteilen.

Branchenstruktur

Die Neu-Investitionen Österreichs im Ausland konzentrierten sich 1998 zu annähernd drei Viertel auf den Dienstleistungssektor (Tabelle 3). Damit setzte sich die Tendenz der wachsenden Bedeutung dieses Sektors fort. Auf ihn entfallen bereits 70% der aktiven Direktinvestitionsunternehmen im Ausland, während nur 28% im Produktionsbereich (einschließlich Bauwesen) liegen. Die übrigen 2% betreffen den Sektor Bergbau und Energie. Die höchsten Zunahmen gab es bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+11,7 Mrd S einschließlich Holdinggesellschaften) und im Finanzsektor, wo der Zuwachs mit +10,4 Mrd S beinahe doppelt so hoch war wie im gesamten produzierenden Bereich (+5,7 Mrd S).Deutlich zurückgenommen wurden Auslandsbeteiligungen nur im Bereich "Beherbergungs- und Gaststättenwesen" (–1,3 Mrd S).

Noch größer war die Bedeutung des Dienstleistungssektors auf der Passivseite. Wie schon im Vorjahr sind auch 1998 die ausländischen Direktinvestitionen im produzierenden Sektor in Summe zurückgegangen. Sein Anteil beträgt nur mehr 26%. Unter Berücksichtigung des zweiprozentigen Anteils des Sektors "Bergbau, Energie" verbleiben somit für die Dienstleistungen 72%. Auch wenn die wachsende Beliebtheit von Holdingkonstruktionen das Ergebnis überzeichnet, sind die Verschiebungen spektakulär: Innerhalb von nur vier Jahren (seit 1994) ist der Anteil des produziernden Sektors an den passiven Direktinvestitionen von 38,5 auf 26,2% gesunken. Die Liberalisierung im Telekommunikationssektor kam im Jahr 1998 voll zum Tragen. Das investierte Auslandskapital stiegt (zu Buchwerten) von 8 auf 21 Mrd S, ein Zuwachs, der nur von der heterogenen Branche der "sonstigen Dienstleistungen (einschl. Holdings)" mit 19,4 Mrd S übertroffen wurde. Nennenswerte Zuwächse gab es weiters im Handel (+2,1 Mrd S), im Energiesektor (+1,7 Mrd S), sowie in der Chemie- und in der Metallindustrie (1,1 bzw. 1,0 Mrd S). Abgebaut wurden Beteiligungen in der Elektroindustrie und im Finanzsektor.

Erträge

Die Ertragslage österreichischer Beteiligungsunternehmen im Ausland hat sich auch 1998 günstig entwickelt. Mit Ausnahme Frankreichs war das Jahresergebnis 1998 in allen wichtigen Zielregionen positiv. Insgesamt erwirtschafteten die aktiven Direktbeteiligungen 1998 ein Jahresergebnis von 8,0 Mrd S. Der bisher stets negative Saldo aus Gewinn- und Verlustvorträgen konnte gleichzeitig von -3,3 auf nur mehr –1,2 Mrd S abgebaut werden.

Rekordniveau erreichten auch die Erträge der unter ausländischem Einfluss stehenden österreichischen Direktinvestitionsunternehmen. Einerseits konnte das Jahresergebnis um 1 Mrd S auf nunmehr 26,4 Mrd S gesteigert werden, gleichzeitig wendete sich der Saldo aus Gewinn- und Verlustvorträgen von –2,0 Mrd S auf +6,4 Mrd S.


Tabelle 1: Bestände und Ströme an aktiven und passiven Direktinvestitionen in Österreich
Tabelle 2a: Stand der österreichischen Direktinvestitionen im Ausland zu Jahresende
Tabelle 2b: Stand der ausländischen Direktinvestitionen in Österreich zu Jahresende
Tabelle 3: Branchenstruktur der aktiven und passiven Direktinvestitionen im Zeitverlauf

 


Herausgeber:

Oesterreichische Nationalbank

Sekretariat des Direktoriums/Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: (+43-1) 404 20-6666