Berichte und Studien

Berichte und Studien 3–4/2001

Transmission der Geldpolitik


Editorial

 

Wirtschaftliche Entwicklung in der Währungsunion und in der EU

Wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum und in der EU

Gesamtwirtschaftliche Prognose für Österreich 2001 bis 2003 vom Herbst 2001

Konjunkturelle Entwicklung in Österreich 

Zusammenarbeit im ESZB und europäische Integration

 

Monetäre Entwicklung in Österreich

Geschäftstätigkeit der inländischen Kreditinstitute im ersten Halbjahr 2001

Zahlungsbilanz im ersten Halbjahr 2001

Internationale Vermögensposition Österreichs im Jahr 2000

Direktinvestitionen Österreichs − Ergebnisse der Befragung 1999 und Entwicklung ausgewählter Indikatoren

 

Internationale Wirtschaft

Entwicklungen in ausgewählten Industrieländern außerhalb der EU

Entwicklungen in ausgewählten Reformländern

Zusammenarbeit im internationalen Währungs- und Finanzsystem

 

Studien

„Transmission der Geldpolitik“

 

Der Transmissionsmechanismus und die Rolle der Vermögenspreise in der Geldpolitik

Dieser Beitrag untersucht über den traditionellen Zinskanal hinausgehende Transmissionsmechanismen der Geldpolitik. Den Schwerpunkt bildet die Frage, wie geldpolitische Impulse über die Preise anderer Vermögenswerte auf die Wirtschaft übertragen werden. Es wird dargestellt, wie sich die monetären Transmissionsmechanismen über Aktienkurse, Immobilienpreise und Wechselkurse auf das Investitions­verhalten und die Konsumentscheidungen der Unternehmen wie auch der privaten Haushalte auswirken. Angesichts der entscheidenden Rolle der Vermögenspreise im Transmissionsmechanismus ließen sich die Zentralbanken bisher häufig dazu verleiten, ihre Geldpolitik an den Vermögenspreisen auszurichten. Dieser Beitrag macht deutlich, dass eine Orientierung der Geldpolitik an den Vermögenspreisen seitens der Zentralbanken trotz der beachtlichen Rolle dieser Preise in der Geldpolitik wahrscheinlich schlechtere wirtschaftliche Ergebnisse zeitigt und unter Umständen sogar die Unabhängigkeit der Zentralbanken in ihren Grundfesten erschüttern könnte.

 

Asymmetrische Transmission der Geldpolitik über den Kreditvergabekanal − eine Analyse anhand österreichischer Bankbilanzen

Der vorliegende Beitrag untersucht die Querschnittsasymmetrie und die zeitliche Dimension der Asymmetrie in der Reaktion der Kreditvergabe der Banken auf Zinsänderungen. Die Querschnittsasymmetrie entsteht auf Grund der unterschiedlichen Fähigkeit der einzelnen Banken, Einlagenrückgänge durch externe Liquiditätsaufnahme zu substituieren. Im Zeitablauf stehen asymmetrische Reaktionen im Zusammenhang mit der jeweiligen Wirtschaftslage, wobei in Zeiten gedämpften Wachstums Liquiditätsrestriktionen stärker einschränkend wirken. Es werden sowohl die Gruppenindikatoren als auch der Zeitindikator in die Modellschätzung einbezogen. Die Ergebnisse dokumentieren eine je nach Konjunkturverlauf signifikant unterschiedliche Reaktion in der Kreditvergabe. Die meisten Banken fallen in eine Hauptgruppe, während sich der Rest auf die anderen Gruppen verteilt. Dabei sind das Ausmaß der Änderungen in der Kreditvergabe und die Reaktionszeit auf Zinsänderungen maßgeblich für die Klassifizierung. Bankspezifische Merkmale (wie Größe und Liquidität), die allgemein als Bestimmungsfaktoren für den Kreditvergabekanal gelten, erweisen sich hingegen für die Klassifizierung als nicht bestimmend.

 

Bilanz- und Kreditvergabekanal: eine Analyse anhand österreichischer Firmen

Da Innen- und Fremdfinanzierung nicht vollkommen austauschbar − das heißt nicht vollkommen substituierbar − sind, kann die Geldpolitik reale Effekte sowie Verteilungswirkungen auf die Realwirtschaft über den Kreditkanal haben. Im vorliegenden Beitrag wird der Bilanzkanal und der Kreditvergabekanal in Österreich untersucht. Um die Auswirkungen der Geldpolitik abschätzen zu können, werden Finanzvariablen sowie unternehmensspezifische Kapitalnutzungskosten in eine Investitionsnachfragegleichung miteinbezogen. Die Schätzungen zeigen, dass Finanzvariablen signifikante Determinanten der Investitionsnachfrage darstellen, was die Existenz eines Bilanzkanals in Österreich bestätigt. Zur Feststellung, ob ein Kreditvergabekanal existiert, werden Unternehmen nach dem Grad ihrer Kreditabhängigkeit in Gruppen unterteilt. Im vorliegenden Beitrag wird gezeigt, dass kleine und junge Unternehmen stärker auf einen monetären Schock reagieren. Die Intensität des Effekts hängt jedoch von der Definition von „klein“ und „jung“ ab. Die Auswirkungen der Geldpolitik werden − erwartungsgemäß − durch die Möglichkeit, eine kurzfristige Verschuldung sowohl über einen Handelskredit zu ersetzen als auch durch die Existenz so genannter Hausbanken, gedämpft.

 

Finanzinnovationen und der monetäre Transmissionsmechanismus

Die Finanzmärkte bilden die Schnittstelle zwischen Notenbank und Realwirtschaft. Folglich kann jedes die Struktur und die Bedingungen der Finanzmärkte verändernde Phänomen auch Auswirkungen auf den Transmissionsmechanismus haben. In den letzten 20 Jahren hat eine Reihe von Innovationen die Finanzmärkte der meisten Industrieländer nachhaltig verändert. Dieser Beitrag entwirft einen auf aktuellen Forschungsergebnissen aufbauenden Analyserahmen zur Untersuchung des Transmissionsmechanismus und geht der Frage nach, wie diverse Formen von Finanzinnovationen in den letzten Jahrzehnten jeweils Elemente des Analyserahmens beeinflusst haben. Der Autor stellt die These auf, dass Finanzinnovationen − vor allem seit 1980 − das Potenzial haben, beinahe jeden Aspekt des monetären Transmissionsmechanismus zu verändern. Darüber hinaus lässt vorliegende empirische Evidenz im Fall von Deregulierung und Verbriefung darauf schließen, dass dieses Potenzial tatsächlich zum Tragen gekommen ist und eine Schwächung der Geldpolitik in den Industrienationen nach sich gezogen hat.

 

Transmissionsmechanismus und Arbeitsmarkt − eine länderübergreifende Studie

Im Rahmen dieses Beitrags wird die Rolle von Arbeitsmarktinstitutionen in der Transmission geldpolitischer Impulse auf den Arbeitsmarkt untersucht. Die empirischen Ergebnisse aus einer länderübergreifenden Studie mit einem Sample von 19 Ländern zeigen, dass höhere Ersatzquoten sowie eine höhere Steuerbelastung und Gewerkschaftsdichte den Effekt geldpolitischer Impulse auf die zyklische Arbeitslosigkeit tendenziell vergrößern, während eine aktivere Arbeitsmarktpolitik und ein hohes Maß an Koordination zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern den Effekt eher dämpfen. Andererseits wurde festgestellt, dass die Bezugsdauer der Arbeitslosenunterstützung, Arbeitsstandards und der Anteil gewerkschaftlich ausgehandelter Lohnabschlüsse keine signifikante Auswirkung auf die geldpolitische Transmission haben.

 

Die geldpolitische Transmission unter den Bedingungen des Stabilitäts- und Wachstumspakts − einige vorläufige Überlegungen

Der Prozess der geldpolitischen Transmission unterliegt einem laufenden Wandel, der sich nicht nur aus geänderten ökonomischen Strukturen und Verhaltensweisen ergeben kann, sondern auch aus neuen institutionellen Rahmenbedingungen. In diesem Beitrag wird die Frage behandelt, inwieweit eine konkrete derartige institutionelle Veränderung, nämlich die Implementierung des Stabilitäts- und Wachstumspakts im Rahmen der Wirtschafts- und Währungsunion, den Transmissionsprozess der Geldpolitik beeinflusst. Einige einfache Simulationsexperimente für Österreich zeigen, dass die Berücksichtigung fiskalischer Regeln, die sich aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt ergeben, die Wirksamkeit eines geldpolitischen Schocks deutlich erhöht.

 

Prinzipien für die Konstruktion von Modellen des Transmissionsmechanismus der Geldpolitik

Mathematische Modelle zum monetären Transmissionsmechanismus stellen sowohl für geldpolitische Entscheidungsträger als auch für Ökonomen mit beratender Funktion nützliche Analyseinstrumente dar. Da die Funktionsweise des Transmissionsmechanismus nur begrenzt nachvollziehbar ist, ist es für Modellbauer eine große Herausforderung, ein mathematisches Modell zu konstruieren, das diesen Mechanismus in seiner Gesamtheit abbildet. Damit Modelle des Transmissionsmechanismus der Geldpolitik im Hinblick auf die Ableitung geldpolitischer Empfehlungen optimal eingesetzt werden können, sollten sie bestimmten Kriterien entsprechen. Es werden zehn Prinzipien vorgeschlagen, deren Beachtung die Zweckmäßigkeit dieser Modelle wesentlich erhöht.



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