Presseaussendung


Langsame Erholung der Kreditvergabe nach der Finanzkrise

6. Kreditbericht der OeNB zur Kreditvergabe des österreichischen Bankensystems

Wien, 11. 7. 2011


Die Analyse der statistischen Daten zur Kreditentwicklung in Österreich zeigt eine sich weiterhin langsam erholende Kreditdynamik in den letzten Monaten. Mit dem Einsetzen der konjunkturellen Erholung ab dem 4. Quartal 2009 ist auch der durch die Krise ausgelöste Einbruch des Kreditwachstums zum Stillstand gekommen. Danach setzte allerdings nur eine langsame Erholung ein, die bei den Unternehmenskrediten etwas stärker ausfiel als bei den Haushaltskrediten. Insgesamt befindet sich die Kreditdynamik im historischen Vergleich jedoch immer noch weit unterhalb des Vorkrisenniveaus.

 

Die Jahreswachstumsrate der Kredite der österreichischen Banken an die Unternehmen hat nach dem Einbruch infolge der Finanzkrise im Oktober 2010 wieder positive Werte erreicht, die sich bis April 2011 langsam aber stetig auf 1,4% erhöhten. In der kurzfristigen Dynamik beobachten wir in den letzten Monaten abwechselnd positive und geringfügig negative Monatsveränderungsraten der Kreditausweitung an die Unternehmen.

 

Die Kreditvergabe an die privaten Haushalte hat sich ebenso wie jene an die Unternehmen in der Finanzkrise abgeschwächt und danach wieder teilweise erholt, allerdings waren sowohl der Wachstumsrückgang als auch die Erholung danach nicht so deutlich ausgeprägt wie bei den Unternehmenskrediten. Die Jahreswachstumsrate der Haushaltskredite entwickelte sich nach einer kurzen Erholung im letzten Quartal 2009 bis zum März 2011 moderat und erhöhte sich nur im letzten Berichtsmonat April 2011 etwas stärker auf 1,6%.

 

Die Zinssätze für Unternehmenskredite sind in den letzten Monaten für alle Laufzeiten und Zinsbindungsfristen wieder geringfügig gestiegen, nachdem sie für lange Zeit auf historisch niedrigem Niveau standen. Bei neu vergebenen Unternehmenskrediten mit einer Zinsbindungsfrist von bis zu einem Jahr haben die Zinssätze seit ihrem Tiefpunkt im zweiten Quartal 2010 wieder um etwa einen halben Prozentpunkt zugelegt, bei den bestehenden Unternehmenskrediten mit kürzeren Laufzeiten wurden die Zinssätze in den letzten Monaten um etwa 0,4 Prozentpunkte erhöht.

 

Sowohl bei den neu begebenen Haushaltskrediten als auch bei den bestehenden Krediten beobachten wir nur sehr geringfügige Anstiege der Zinssätze in den letzten Monaten.

 

Die Unternehmensfinanzierung über Anleihen ist zwar zu Beginn der Finanzkrise in der zweiten Jahreshälfte 2008 stark zurückgegangen, sie stieg aber bis zum dritten Quartal 2009 wieder deutlich an. Dies dürfte hauptsächlich mit der Substitution von Kreditfinanzierungen, die in derselben Zeitperiode stark gesunken waren, durch verstärkte Anleiheemissionen zu erklären sein. Im Jahr 2010 normalisierte sich die Aufteilung zwischen Kreditfinanzierung und Anleihefinanzierung des österreichischen Unternehmenssektors wieder und die Wachstumsraten der Anleiheemissionen gingen zurück. Demgegenüber ist die Finanzierung der Unternehmen über Aktienemissionen mit dem Beginn der Krise eingebrochen und hat sich seither auch nicht wieder erholt.


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