Presseaussendung


Erholung des österreichischen Finanzsystems in einem anhaltend unsicheren Umfeld

15. 12. 2010


„Die österreichischen Banken konnten in den ersten drei Quartalen 2010 von einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung sowie einer Stabilisierung in der Region Zentral-, Ost-, und Südosteuropa (CESEE) profitieren“, erklärte Direktor Mag. Ittner anlässlich der Präsentation der 20. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichtes der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Dennoch stellen die anhaltenden Unsicherheiten des internationalen Umfelds die österreichischen Banken weiterhin vor Herausforderungen.

 

Stabilisierung bei Refinanzierungsbedingungen

Bei der Kreditvergabe der Banken zeichnete sich in den letzten Monaten eine leichte Erholung ab, da das Kreditwachstum privater Haushalte weiter positiv war und Unternehmenskredite nicht mehr rückläufig waren.Durch eine gestiegene Kapazitätsauslastung und verbesserte Absatzchancen nahmen die Investitionen der Unternehmen im dritten Quartal 2010 wieder zu. Die Verbesserung der Konjunktur führte auch wieder zu einem Anstieg der Unternehmensgewinne und damit der Innenfinanzierung. Das Wachstum der Ausleihungen an private Haushalte wurde von einer Zunahme der Wohnbaukredite getrieben, während Konsumfinanzierungen im Jahresvergleich rückläufig waren. Die Kreditzinsen verharrten auf historisch niedrigem Niveau, was die Finanzierungskosten sowohl bei den Unternehmen wie auch bei den privaten Haushalten entlastete.Aufgrund des im internationalen Vergleich hohen Anteils an variabel verzinsten Krediten unterliegt die Finanzierungsseite allerdings weiterhin erheblichen Zinsrisiken.

 

Popularität der Fremdwährungskredite nimmt weiter ab

Das Volumen an Fremdwährungskredite ging in den ersten drei Quartalen 2010 bereinigt um Wechselkurseinflüsse weiter zurück. Dies kann unter anderem auch auf gemeinsame Initiativen von OeNB und FMA auf diesem Gebiet zurückgeführt werden. Die Entwicklungen an den Devisenmärkten im Jahr 2010, insbesondere die Aufwertung des Schweizer Franken im Verhältnis zum Euro, verdeutlichte dabei allerdings einmal mehr das inhärente Risiko dieser Kreditart.

 

Ertragslage der österreichischen Banken verbessert, Risikokosten weiterhin hoch

Das österreichische Bankensystem hat 2010 wieder besser verdient als im Vorjahr. Der konsolidierte Überschuss der ersten sechs Monate betrug knapp 1,8 Mrd EUR. Gestützt wurde die Entwicklung von einem stabilen Zinsergebnis sowie steigenden Einnahmen aus dem Provisionsgeschäft. Die angespannte Kreditqualität sorgte hingegen weiter für hohe Risikokosten. Die österreichischen Tochterbanken in CESEE konnten im ersten Halbjahr 2010 abermals einen deutlich positiven Ergebnisbeitrag von knapp 1,1 Mrd EUR erwirtschaften. Die weitere Verschlechterung der Kreditqualität in der gesamten Region sowie eine vergleichsweise schwache makroökonomische Entwicklung in Südosteuropa stellen hingegen anhaltende Risiken dar.

 

Die Eigenmittelsituation der österreichischen Banken hat sich weiter verbessert. Gemessen an der konsolidierten Tier I Ratio im ersten Halbjahr 2010 haben die heimischen Banken ihre Eigenmittelausstattung seit dem Tiefpunkt im September 2008, teilweise unter Verwendung des staatlichen Bankenpakets, um rund 2,5 Prozentpunkte auf rund 9,8% erhöht. „Aufgrund der im internationalen Vergleich aber weiterhin unterdurchschnittlichen Kapitalisierung und der laufenden Regulierungsinitiativen besteht mittelfristig weiterhin ein Eigenmittelbedarf des österreichischen Bankensektors“, merkte Direktor Mag. Ittner dabei jedoch an.

 

Die aktuellen Herbst-Stresstests der OeNB zeigten, dass die Resistenz des österreichischen Bankensystems gegenüber einem allfälligen neuerlichen Ausbruch einer globalen Krise intakt ist. Es besteht eine Differenzierung der einzelnen Institute hinsichtlich der Auswirkungen des Stress Test.


Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln zusätzlich auch Spezialthemen behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies die Fremdwährungskreditvergabe österreichischer Banken in Zentral-, Ost- und Südosteuropa, die volkswirtschaftlichen Effekte möglicher Maßnahmen zur Erhöhung der Schockresistenz des österreichischen Bankensystems sowie ein Überblick über den russischen Bankensektor.



Verleger, Herausgeber und Hersteller:

Oesterreichische Nationalbank

Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit

Mag. Günther Thonabauer 

Tel.: (+43-1) 404 20-6666

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