Transparenz


Bedeutung von Transparenz für die Geldpolitik

Die Bedeutung der Transparenz für moderne Zentralbanken manifestiert sich darin, dass eine wirkungsvolle Kommunikation und ein angemessenes Zusammenwirken mit der breiten Öffentlichkeit, den Medien und den Marktteilnehmern die Glaubwürdigkeit, Vorhersehbarkeit und Wirksamkeit der Geldpolitik erhöht. Durch ihre Erläuterungen des geldpolitischen Entscheidungsprozesses und der Hintergründe ihrer Entscheidungen versetzt die Zentralbank die Öffentlichkeit in die Lage, ihren Auftrag, ihre geldpolitische Strategie und ihre Entscheidungen besser zu verstehen; dies wiederum erlaubt es den Märkten und der breiteren Öffentlichkeit, den künftigen Kurs der Geldpolitik genauer vorherzusehen. Mehr Transparenz hilft der Zentralbank nicht nur, ihren Auftrag auf wirksamere Weise zu erfüllen, sondern erleichtert ihr auch, über ihre Handlungen Rechenschaft abzulegen.

 


Notenbanktransparenz – weiterführende Erläuterungen

Transparenz kann definiert werden als ein Umfeld, in dem die Zentralbank der breiten Öffentlichkeit und den Märkten alle relevanten Informationen über ihr Mandat, ihre Strategie, ihre Einschätzungen und geldpolitischen Entscheidungen sowie ihre Verfahren in offener, klarer und zeitnaher Weise zur Verfügung stellt. Bei Transparenz geht es letztlich darum, dass die Öffentlichkeit zu einem echten Verständnis des gesamten geldpolitischen Entscheidungsprozesses gelangt. 


Heute betrachten die meisten Zentralbanken, so auch die EZB, Transparenz als einen wesentlichen Bestandteil ihres geldpolitischen Handlungsrahmens und betonen die Bedeutung einer wirkungsvollen Kommunikation und eines angemessenen Zusammenwirkens mit der Öffentlichkeit. Schließlich haben alle Bemühungen um Erhöhung der Transparenz das Ziel, zu gewährleisten, dass die Geldpolitik von der Öffentlichkeit besser verstanden und damit glaubwürdiger und wirksamer wird. Transparenz setzt in erster Linie voraus, dass die Zentralbank ihr Verständnis des ihr erteilten Mandats klar erläutert und ihre geldpolitischen Ziele offen legt. Dies erleichtert es der Öffentlichkeit, die Aktivitäten der Zentralbank zu verfolgen und zu beurteilen. Darüber hinaus muss die Zentralbank den für ihre interne Entscheidungsfindung verwendeten analytischen Rahmen und ihre Einschätzung der Wirtschaftslage erläutern und häufig auch die Gründe für ihre geldpolitischen Beschlüsse verdeutlichen. Dabei lässt sich die Transparenz erhöhen, indem ein systematischer Rahmen für die interne Entscheidungsfindung wie auch für die externe Kommunikation mit der Öffentlichkeit vorgegeben wird. Dies erfolgt insbesondere durch die öffentliche Bekanntgabe der geldpolitischen Strategie. Wichtigstes Anliegen der Zentralbank mit Blick auf die Transparenz muss die Wirksamkeit der Geldpolitik bei der Erfüllung ihrer satzungsmäßigen Ziele sein. Transparenz kann die Effektivität der Geldpolitik aus mehreren Gründen erhöhen. 


Erstens fördert es die Glaubwürdigkeit einer Zentralbank, wenn sie klar macht, wie sie ihr Mandat zu erfüllen gedenkt. Geht die Öffentlichkeit davon aus, dass eine Zentralbank in der Lage und willens ist, ihren geldpolitischen Auftrag zu erfüllen, werden die Preiserwartungen fest verankert sein. Von besonderem Nutzen in diesem Zusammenhang ist die häufige Berichterstattung zur Einschätzung der Wirtschaftslage durch die Zentralbank. Auch ist es hilfreich, wenn Zentralbanken offen und realistisch sagen, was die Geldpolitik leisten und auch was sie nicht leisten kann. 

Zweitens zwingt eine strenge Verpflichtung zur Transparenz die für die Geldpolitik Verantwortlichen zu Selbstdisziplin, und dies wiederum hilft, die Konsistenz ihrer geldpolitischen Entscheidungen und Erläuterungen im Zeitverlauf zu gewährleisten. Indem der Öffentlichkeit die Überprüfung geldpolitischer Maßnahmen ermöglicht wird, verstärken sich auch die Anreize für die Entscheidungsträger, ihr Mandat ordnungsgemäß zu erfüllen. 

Drittens gibt die Zentralbank durch die öffentliche Bekanntgabe ihrer geldpolitischen Strategie und ihrer regelmäßigen Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung den Märkten eine Orientierung und fördert somit eine effizientere und zutreffendere Erwartungsbildung. Dies hilft den Märkten, das systematische Reaktionsmuster der Geldpolitik auf wirtschaftliche Entwicklungen und Schocks zu verstehen und damit die allgemeine Richtung der Geldpolitik auf mittlere Sicht vorauszusehen, sodass geldpolitische Schritte für die Märkte keine Überraschung mehr darstellen. Diese Berechenbarkeit ist wichtig für die Durchführung der Geldpolitik: Während Zentralbanken nur die sehr kurzfristigen Zinsen unmittelbar steuern können, hängt die Übertragung geldpolitischer Impulse auf die Wirtschaft auch entscheidend von der erwarteten Entwicklung der Kurzfristzinsen über längere Zeithorizonte und den Unsicherheitszuschlägen ab. Wenn die geldpolitischen Reaktionen für die Wirtschaftssubjekte weitgehend berechenbar sind, dann können etwaige (erwartete) Änderungen des geldpolitischen Kurses rasch in finanzielle Variablen einfließen. Dies wiederum kann den Transmissionsprozess, über den die Geldpolitik auf Investitions- und Konsumentscheidungen einwirkt, verkürzen sowie notwendige wirtschaftliche Anpassungen beschleunigen und auf diese Weise die Wirksamkeit der Geldpolitik erhöhen.

 



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