Bewegungen bei den Preisen der Vermögenswerte sind für die Geldpolitik auch deshalb von Bedeutung, weil sie für den geldpolitischen Transmissionsmechanismus wichtig sind und Erwartungen über künftige konjunkturelle Entwicklungen widerspiegeln. Zudem müssen Zentralbanken starke Preisbewegungen bei Vermögenswerten wegen ihrer möglichen Rückwirkungen auf die Stabilität des Finanzsystems immer im Blick behalten. Preiszyklen bei Vermögenswerten können Zusammenbrüche im gesamten Bankensystem auslösen und zusammen mit Kreditzyklen (siehe Kreditkanal) häufig einem steilen wirtschaftlichen Abschwung vorangehen.
Vermögenspreise
Rolle der Vermögenspreise bei den Übertragungsmechanismen der Geldpolitik
Über die Rolle der Preise von Vermögenswerten im monetären Transmissionsmechanismus gibt es beträchtliche Unsicherheiten, was ihre Nützlichkeit bei der geldpolitischen Entscheidungsfindung einschränkt. So ist z. B. weder über den Zeitrahmen noch über das Ausmaß der Wirkungen von Änderungen in der Geldpolitik auf die Preise von Vermögenswerten viel bekannt. Die Wirkung der Geldpolitik auf die Preise von Vermögenswerten sowohl bei einer Lockerung als auch bei einem Anziehen der Geldpolitik ist unsicher. Bei einer Lockerung kann die Zufuhr von Liquidität in Zeiten offensichtlicher Anspannungen auf den Finanzmärkten zu Moral Hazard beitragen und zukünftigen Situationen Vorschub leisten, in denen die Märkte noch größeren Belastungen ausgesetzt sind. Solche Maßnahmen könnten sogar hohe Preise an anderen dynamischen Finanzmärkten ungewollt verstärken. Bei der Bekämpfung von Spekulationsblasen könnte eine geringfügig restriktivere Geldpolitik das Vertrauen des Marktes in die Tragfähigkeit des wirtschaftlichen Aufschwungs nur stärken, indem es die Entschlossenheit der Zentralbank zur Inflationsbekämpfung demonstriert. Es ist daher schwierig, Preisblasen von Vermögenswerten behutsam zurückzuführen.
Informationsgehalt von Vermögenspreisen
Anhand der Preise für Vermögenswerte und der Anlagerenditen können Erkenntnisse über die Erwartungen an den Finanzmärkten, einschließlich der erwarteten künftigen Preisentwicklung, gewonnen werden. Beim Kauf und Verkauf von Anleihen drücken die Finanzmarktteilnehmer beispielsweise implizit ihre Erwartungen über die künftige Entwicklung der Realzinsen und der Inflation aus. Unter Verwendung verschiedenster Methoden ist es möglich, die Finanzmarktpreise zu analysieren, um daraus die impliziten Erwartungen des Marktes über die zukünftigen Inflations- und Konjunkturerwartungen herauszufiltern. Die Märkte für Vermögenswerte sind zukunftsgerichtet. Veränderungen der Preise für Vermögenswerte sind daher weitgehend auf Neuigkeiten – d. h. auf Informationen über Entwicklungen, die von den Märkten für Vermögenswerte nicht erwartet wurden – zurückzuführen. In diesem Sinne dürfte die Beobachtung der Vermögenspreise helfen, Schocks zu identifizieren, denen die Wirtschaft ausgesetzt ist. Darunter sind auch Schocks betreffend die Erwartungen der künftigen konjunkturellen Entwicklung. Bei der Analyse der Finanzmärkte werden aus verschiedenen Quellen stammende statistische Angaben zu den Preisen von Finanzwerten bewertet.