Sicherungsinstrumente für die Stabilität

Welche Formen von Stresstests gibt es?


Stresstests für Einzelbanken und Bankensysteme

Entstanden sind Stresstests in den Geschäftsbanken, die diese im Rahmen ihres internen Risikomanagements einsetzen, um potenzielle Verluste für ihr Portfolio unter bestimmten Krisenszenarien abzuschätzen. In den letzten Jahren gewannen Stress Tests allerdings auch zunehmend Bedeutung für die Zentralbanken, die sie in der Finanzmarktstabilitätsanalyse einsetzen, um die Schockresistenz des Bankensystems bzw. des gesamten Finanzsystems abzuschätzen. Dabei wird versucht, die Auswirkung hypothetischer Krisenszenarien auf das gesamte Bankensystem quantitativ zu erfassen. Typische Krisenszenarien, die dabei betrachtet werden, sind Aktiencrashs, massive Zinsschwankungen oder Wechselkursschocks, aber auch makroökonomische Krisenszenarien, beispielsweise eine schwerwiegende Rezession, in deren Folge sich die Bonität der Kreditkunden verschlechtert, was wiederum über die Kreditrisikokosten die Ertragskraft der Banken negativ beeinflusst.

 

Andererseits wird das Ansteckungsrisiko zwischen Kreditinstituten in einer Krisensituation erhoben. Denn die Ansteckungsanfälligkeit auf dem Interbankenmarkt ist aufgrund der komplexen gegenseitigen Kreditbeziehungen sehr hoch. In einem derartigen System kann die Zahlungsunfähigkeit eines Instituts Auswirkungen auf die Finanzlage anderer Institute haben und Dominoeffekte im gesamten Finanzmarkt auslösen.

 

Ein weiteres Szenario, dem alle Banken gleichermaßen ausgesetzt sind, ist ein Wirtschaftsabschwung und damit die Verschlechterung der Bonität der Kreditnehmer und damit einhergehend der potentielle Anstieg von Kreditausfällen.



Stresstests bei der Bankenanalyse und bei Bankenprüfungen

In Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum für Prozess- und Produkt-Engineering der Fachhochschule Vorarlberg wurde eine Software entwickelt, die das Auffinden sogenannter "Worst Case Szenarien" für das Wertpapierportfolio von Banken ermöglicht. Sie identifiziert jene Szenarien, die für ein bestimmtes Wertpapierportfolio einen maximalen Verlust ergeben. Insbesondere im Fall von Portfolios, die eine Vielzahl unterschiedlicher derivativer Produkte mit gleichlaufendem Risiko enthalten, können damit Szenarien mit sehr hohem Verlustpotenzial erkannt werden. Diese Software wird bei Bankprüfungen eingesetzt.



OeNB-Stresstests im Zuge des Financial Sector Assessment Programmes (FSAP) des IWF

Diese Stresstests untersuchen in der Regel die Auswirkung eines bestimmten Krisenszenarios auf die Eigenmittelquote einzelner Banken und des gesamten Bankensektors sowie bestimmter Teilmärkte.

 

Anhand dieser Simulationen stellte der IWF Ende 2007 fest, dass das österreichische Bankensystem in seiner Gesamtheit gegenüber externen Schocks auf Grund seiner hohen Kapitalisierung sehr resistent ist.

 

Diese quantitativen Prüfungen werden regelmäßig durchgeführt und die Ergebnisse im Finanzmarktstabilitätsbericht dargestellt, um so zu einer Einschätzung der Risikotragfähigkeit des österreichischen Bankensektors zu gelangen.



Systemic Risk Monitor – ein quantitatives Netzwerkmodell des österreichischen Bankensystems

Die wesentlichen Merkmale des methodischen Ansatzes des Systemic Risk Monitor bestehen darin, dass neben der gleichzeitigen Betrachtung der wesentlichen Risikokategorien, von etwa Kredit- und Marktrisiken, auch das Risiko von Ansteckungseffekten am Interbankenmarkt und die makroökonomische Entwicklung berücksichtigt wird.