Entstanden sind Stresstests in den Geschäftsbanken, die diese im Rahmen ihres internen Risikomanagements einsetzen, um potenzielle Verluste für ihr Portfolio unter bestimmten Krisenszenarien abzuschätzen. In den letzten Jahren gewannen Stress Tests allerdings auch zunehmend Bedeutung für die Zentralbanken, die sie in der Finanzmarktstabilitätsanalyse einsetzen, um die Schockresistenz des Bankensystems bzw. des gesamten Finanzsystems abzuschätzen. Dabei wird versucht, die Auswirkung hypothetischer Krisenszenarien auf das gesamte Bankensystem quantitativ zu erfassen. Typische Krisenszenarien, die dabei betrachtet werden, sind Aktiencrashs, massive Zinsschwankungen oder Wechselkursschocks, aber auch makroökonomische Krisenszenarien, beispielsweise eine schwerwiegende Rezession, in deren Folge sich die Bonität der Kreditkunden verschlechtert, was wiederum über die Kreditrisikokosten die Ertragskraft der Banken negativ beeinflusst.
Andererseits wird das Ansteckungsrisiko zwischen Kreditinstituten in einer Krisensituation erhoben. Denn die Ansteckungsanfälligkeit auf dem Interbankenmarkt ist aufgrund der komplexen gegenseitigen Kreditbeziehungen sehr hoch. In einem derartigen System kann die Zahlungsunfähigkeit eines Instituts Auswirkungen auf die Finanzlage anderer Institute haben und Dominoeffekte im gesamten Finanzmarkt auslösen.
Ein weiteres Szenario, dem alle Banken gleichermaßen ausgesetzt sind, ist ein Wirtschaftsabschwung und damit die Verschlechterung der Bonität der Kreditnehmer und damit einhergehend der potentielle Anstieg von Kreditausfällen.