Finanzmärkte

Devisenmarkt


Ein Devisenmarkt oder auch Währungsmarkt ist in besonderem Maße ein globaler Markt, auf dem Währungen (bzw. auf Währungen lautende Forderungen, d. h. so genannte Devisen) gehandelt werden. Der weltweite Devisenmarkt agiert auf keinem fixen Börsenort, sondern wird über das weltweite Netz der Banken, Industrie-Konzerne, Fonds und Notenbanken etc. abgewickelt. Er ist der größte Finanzmarkt der Welt und hat ein tägliches Handelsvolumen von über 2 Billionen US-Dollar (Quelle: BIZ). Ein Devisengeschäft definiert sich über den gleichzeitigen Kauf und Verkauf von unterschiedlichen Währungen zwischen zwei Banken (Interbankenmarkt). Dadurch bilden sich Tauschverhältnisse, so dass der Wert jeder Währung in der jeweils anderen ausgedrückt werden kann. Dementsprechend bildet sich der Wechselkurs als Preisverhältnis zwischen zwei Währungen.

 

Grafik: Wechselkursentwicklung EUR vs. USD


Währungsentwicklung EUR zu USD

Der Wert des Wechselkurses bildet sich kurzfristig durch Angebot und Nachfrage nach Devisen auf dem Devisenmarkt. Ein Devisenangebot entsteht, wenn Güter und Dienstleistungen exportiert und dadurch Kapital aus dem Ausland importiert wird. Wenn aber Güter und Dienstleistungen importiert werden und im Gegenzug Kapital exportiert wird, entsteht Devisennachfrage. Angebot und Nachfrage können jedoch auch über Finanztransaktionen (teilweise auch in spekulativer Absicht) entstehen, welche die Wechselkursbewegungen beeinflussen.

 

Mittel- und langfristig richten sich die Wechselkursbewegungen nach den wirtschaftlichen Fundamentaldaten einer Volkswirtschaft (z. B. Wachstum, Schuldenstand, Budgetdefizit, Inflation, Arbeitslosigkeit). Die Kaufkraftparitätentheorie hilft bei der Erklärung dieser Kursbildung. Dabei wird zwischen der absoluten (der Wechselkurs zwischen den Währungen zweier Staaten entspricht deren Preisniveauverhältnis) und der relativen Variante unterschieden. Sie besagt, dass sich der Wechselkurs zweier Währungen innerhalb einer Zeitspanne um denselben Prozentsatz ändert wie die Preisniveaudifferenz (Inflationsrate) zwischen diesen Staaten. Steigen etwa die Güterpreise in den USA stärker als in Österreich, steigt die Nachfrage nach österreichischen Gütern, während die Nachfrage nach Gütern aus den USA sinkt, da diese teurer werden. Damit steigt die Nachfrage nach Euro im Vergleich zum US-Dollar, da für den Kauf österreichischer Güter Euro benötigt wird. Es kommt also zu einer Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar. Unter der Annahme, dass nur die Preisentwicklung über Wechselkursveränderungen entscheidet, ändert sich der Wechselkurs Euro/Dollar genau um die Differenz der Inflationsraten beider Staaten.

 

Ein exemplarisches Beispiel zur Darstellung dieser Kaufkraftparitätentheorie ist der vom britischen Wirtschaftsmagazin „The Economist“ veröffentlichte „Big-Mac-Index“ , der die Big-Mac-Preise unterschiedlicher Länder miteinander vergleicht. Anhand der globalen Preise, die für den McDonald’s-Burger bezahlt werden, ermitteln Ökonomen einen Wert der Währungen. Die dahinter steckende Idee ist, dass die Devisenkurse letztlich die Kaufkraft der betreffenden Volkswirtschaften widerspiegeln. Tatsächlich zeigte der Big-Mac-Index im März 2008 eine 22,3-prozentige Überbewertung des Euro gegenüber dem US-Dollar an. Teilt man den US Preis für einen Big-Mac durch den durchschnittlichen Preis im Euroland, so ergibt sich ein Wechselkurs von 1,14 US-Dollar je Euro. Tatsächlich wurde der Euro Anfang März um 1,54 US-Dollar gehandelt.

 

Grafik: Der Big-Mac-Index



Der Big-Mac-Index

Beim Big-Mac handelt es sich um ein fast weltweit vertriebenes, standardisiertes Produkt, welches nicht international handelbar ist (wird also nicht von einem Land in ein anderes verkauft). An der Produktion und dem Verkauf eines Big-Mac sind fast ausschließlich Bereiche nationaler Volkswirtschaften beteiligt.

 

Somit ist der Big-Mac-Index eine der einfachsten Methoden, die jeweilige Inlandskaufkraft von Währungen miteinander zu vergleichen, und dient damit als praktisches Beispiel für die Kaufkraftparitätentheorie.

 

Die Entwicklung der Währungsrelationen zwischen verschiedenen Volkswirtschaften hat auch für jeden Einzelnen sehr praktische Auswirkungen:

  • Urlaubsreise ins Ausland, außerhalb des Euro-Raumes
    Beispiel: fährt eine österreichische Familie auf Urlaub in die USA und ist zu diesem Zeitpunkt der Wert des US-Dollar im Vergleich zum Euro gesunken so bewirkt diese Währungsveränderung eine gestiegene Kaufkraft der Urlauber. Das deshalb, da die Urlauber für jeden Euro den sie in US-Dollar wechseln mehr US-Dollars erhalten.

  • Export- bzw. Importpreise – Fremdwährungskredite
  • Veranlagungen in Finanztitel in fremder Währung